Auf manche Dinge muss man gestoßen werden. Weil zum Beispiel der Name einer absoluten Spezialität so komisch klingt, dass man im Leben nicht auf die Idee kommen würde, sie im Restaurant zu bestellen. Oder weil man sich mit einem bestimmten Thema normalerweise nicht beschäftigt und deshalb auch nicht weiß, was für spannende Veranstaltungen oder Angebote es gibt.
INPUT ist so eine Veranstaltung, von der ich bis vor kurzem noch nie etwas gehört hatte und auf der ich nun seit Anfang der Woche viel Zeit verbracht habe. INPUT ist eine Konferenz, bei der sich Fernsehmacher aus der ganzen Welt treffen, um über ihre Produktionen zu reden. Sie findet in jedem Jahr in einer anderen Stadt statt – nach San Francisco, Taipeh und Lugano in diesem Jahr in Johannesburg.
Praktisch heißt das, dass sich hunderte Menschen für jeweils vier Stunden in einen Raum setzen und Filme schauen. Anschließend wird mit den Machern der gezeigten Produktionen darüber diskutiert, wie sie bestimmte Bilder gemacht haben, was ihr Ziel war, welche Probleme es gegeben hat und warum die brillante Dokumentation erst auf einem Sendeplatz nach Mitternacht gesendet wurde. Nach etwa 15 bis 20 Minuten wird dann der nächste Film gezeigt.
Das ganze läuft in so genannten Sessions ab. Es gibt drei Screening-Rooms, in denen parallel verschiedene Filme gezeigt werden. Die Sessions heißen dann zum Beispiel „Don’t be a couch potato“, darin laufen Beispiele aus der ganzen Welt, wie man interaktives Fernsehen machen kann. In „Beyond correct“ liefen satirische Filme. Mein persönlicher Favorit aus dieser Session ist übrigens Yallahrup, eine dänische Puppenserie. In der gezeigten Folge geraten zwei jugendliche (pseudo-) Gangster an einen Dschihadisten, der sie als Selbstmordattentäter werben will. Die beiden haben keine Ahnung, worum es geht und fahren total auf die 92 Jungfrauen ab, die er ihnen verspricht. Vielleicht findet ja jemand eine der Folgen in Youtube?
Auch aus Deutschland sind einige Filme dabei: „Prinzessinenbad“ zum Beispiel, der im vergangenen Jahr der erfolgreichste deutsche Dokumentarfilm war oder „Die Piloten“, ein anstrengender 90-Minuten Film über ein anstrengendes Projekt von Christoph Schlingensieg. Nach knapp einer halben Stunde hat mich die Vorstellung, noch 60 weitere Minuten in dem Film zu sitzen so gestresst, dass ich Kaffee trinken gegangen bin.
Übrigens ist es – bei allem positiven – äußert schwer, bei INPUT zu einem „Couch Potato“ zu werden. Denn vier Stunden in einem dunklen Raum sitzen, total verschiedene Filme sehr unterschiedlicher Qualität sehen und anschließend diskutieren, erfordert viel Disziplin. Und leider ist INPUT nun mal eine Konferenz für professionelle Fernsehmacher. Chips, Bier und bequeme Stühle gibt es in den Screening-Rooms nämlich nicht. Deshalb habe ich bis jetzt auch noch keine Session komplett durchgehalten.