Dubai
Mitten in der Nacht in Dubai. Naheliegend wäre so eine Überschrift in Anlehnung an einen alten Kinofilm gewesen: Schlaflos in Dubai zum Beispiel. Zwei Gründe sprechen dagegen. Erstens ist diese Formulierung inzwischen schon etwas verbraucht. Zweitens – und das ist viel entscheidender – scheinen hier ziemlich viele Menschen gerade schlaflos zu sein.
Ich sitze mit dem Laptop auf der Erde, etwas abgelegen vom Trubel. Trubel? Auch um halb drei Uhr in der Nacht ist Dubai International Airport noch überaus lebendig. Das Wort Nachtflugverbot erntet hier wahrscheinlich maximal ein müdes Lächeln. Permanent werden Flüge angekündigt. Nach Bahrain, Dhaka, Paris oder Beijing. Am meisten gefreut habe ich mich persönlich über den Emirates Flug nach London Heathrow um 2.30 Uhr mit der Flugnummer 007, das aber nur am Rande. Es ist ein modernes Gebäude, im Grunde fast etwas gesichtslos, ein Luftdrehkreuz, wie es überall auf der Welt stehen könnte: endlose Laufbänder, die bereits genannten permanenten Flugankündigungen, Cafés und die unvermeidlichen Filialen von McDonalds, StarBucks und Dunkin’ Donuts. Aber ganz so ist es dann doch nicht.
Es ist warm, sehr warm, noch 25 Grad und das mitten in der Nacht. Und gleich bei den ersten Schritten im Terminal erschlagen einen die Eindrücke. Wegweiser sind doppelt beschriftet: einmal
in Englisch und einmal in Arabisch. Was in Paris die Galerie Lafayette ist, nennt sich hier Duty Free. Nein, ok, der Vergleich hat zugegebenermaßen fast etwas Blasphemisches. Trotzdem ist die Einkaufsfläche „Dubai Duty Free“ extrem beeindruckend, wahrscheinlich würde man von einer Mall sprechen. In der Halle riecht es nach teuren Parfüms, an Ständen gibt es Shishas, Digitalkamers, teure Weine und die Bild-Zeitung. Zwischen den Ständen wuseln hunderte Menschen herum. Dubai ist ein internationales Drehkreuz, das spürt man schnell. Männer mit Turban, junge Frauen mit Kopftuch und Trikots der iranischen Nationalmannschaft, Männer mit Bierbauch. Unter Bänken und an den Seiten der Halle haben sich Reisende schlafen gelegt. Und an den Wänden auf der Erde sitzen meist junge Leute (wie ich gerade) mit ihren Laptops. Denn das Wlan ist hier kostenlos.
Fast fünf Stunden habe ich Aufenthalt, irgendwo hier im Nirgendwo, das sich trotzdem zu einem geschäftigen und bombastisch expandierenden Ort entwickelt. Neben mir im Flugzeug saß ein junger Mann aus Deutschland, der sich hier mit Urlaubsappartements selbstständig machen will. Er sagt, die Chancen stünden gut. Die Wohnungen, die er vor ein paar Monaten gekauft habe, hätten schon jetzt, obwohl sie noch nicht fertig gestellt seien, ihren Wert erheblich gesteigert. Überall wird gebaut. Beim Landeanflug habe ich auch spät am Abend auf Baustellen noch Arbeiter und Fahrzeuge in Aktion gesehen. Auch der Flughafen wird gerade erweitert. Emirates bekommt ein eigenes Terminal.
Dubai könnte spannend sein, vielleicht auch mal ein eigenes Reiseziel, irgendwann. Bis dahin muss ich mich gedanklich damit abfinden, dass ich schweren Herzens einen Teil meines Reisegepäcks in Düsseldorf lassen musste. Ich hatte mich ja schon darauf eingestellt, dass ich etwas Übergepäck werde zahlen müssen. Von daher hatte ich zunächst noch ganz lässig darauf reagiert, als die Frau am Checkin skeptisch fragte: Wollen sie das alles mitnehmen? Das wird teuer, sehr teuer. Ich hätte gerne mein Gesicht gesehen, als sie am Ende etwas von 943 Euro sagte. Unter anderem musste ich mich von einem eigentlich als Reiselektüre eingeplanten Buch trennen: Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“ (1.400 Seiten). Ich werde mich schon irgendwie anders beschäftigen.