Zwei Welten
Es sind schreckliche Bilder, die seit einer Woche über die Fernsehbildschirme in Südafrika flimmern und die Titelseiten der Tageszeitungen aufmachen: „Xenophobic attacks“, fremdenfeindliche Übergriffe in den Townships. Ausländer, viele aus Simbabwe, werden durch die Straßen gejagt, von wütenden Mobs getötet oder ihre Shacks, Wellblechhütten, angezündet.
Wenn ich abends vorm Fernseher sitze oder im Radio davon höre, dann fühlt sich das eigenartig an. Auf der einen Seite erzählen die Bilder von schrecklichen Szenen in der Stadt, in der ich gerade lebe. Auf der anderen Seite bekomme ich nichts von alledem mit. Es ist wahrscheinlich sogar fast so, dass dank Spiegel Online, Tagesschau oder ZDF-Nachrichten die Nachrichtenkonsumenten in Deutschland viel besser und schneller über die Lage in den Townships rund um Johannesburg informiert sind als ich.
"Migranten seien kriminell, nähmen den Einheimischen Arbeitsplätze und Frauen weg – und sie würden stinken.“
Bemerkenswert ist, dass diese relativ platte und flapsige Darstellung mir tatsächlich auch schon in vereinzelten Gesprächen begegnet ist. Ich hatte dem bisher nicht so viel Bedeutung beigemessen. Jetzt bin ich in Bezug auf das Ausmaß des Hasses ratlos.
Ein paar zufällig ausgewählte Nachrichtenquellen aus Südafrika:
SABC: “Burnt bodies found after E Rand attacks”
The Star: „Prayer for peace – as killing goes on“
Mail&Guardian: “Wave of hate engulfs Jo'burg”
Und noch ein Blick von außen – BBC: "Thousands flee S Africa attacks"
(Die südafrikanische Rundfunkanstalt SABC berichtet zwar immer wieder kompetent über die Ereignisse, ist aber gleichzeitig sehr mit sich selbst beschäftigt. Intern gibt es einen Streit zwischen dem Aufsichtsrat, dem Intendanten, den der Aufsichtsrat loswerden will und seinem vom Aufsichtsrat auserkorenen Nachfolger, den der Intendant kurzerhand gefeuert hat. Es geht dabei auch um die politische Ausrichtung des Senders. Das neueste Kapitel dieser Geschichte hat es heute Nachmittag mal wieder als Aufmacher – vor den Ereignissen in den Townships und in Downtown Johannesburg – in die Radio-Nachrichten aller SABC-Wellen geschafft).