Archive for the 'NBC' Category

Bundesligaradio

Posted by Julian Kanth on Mai 10 2006 | NBC

“Tor in Bremen!” – schallt es aus den Lautsprechern im Studio 5 des NBC-Radio-Centres in Windhoek. Es ist Samstag, es ist der vorletzte Spieltag der Saison, und es ist der Tag, an dem Werder Bremen den 1. FC Köln mit 6 zu 0 schlägt und sich einer der beiden Münchner Bundesligavereine vorzeitig die Meisterschaft sichert.

Im deutschen Hörfunkprogramm der NBC läuft die Sendung “Gut Aufgelegt”. Kurz vor der Sendung ist wieder einmal einer der Computer abgestürzt, so dass mir einige Anmoderationen fehlen. Die muss ich mir während der Sendung zusammenreimen und improvisieren. Glücklicherweise gibt es keine allzu starre Struktur, so dass tatsächlich viel Platz zum Improvisieren ist.

“Gut Aufgelegt!” beginnt mit der Übertragung der Bundesligaschlusskonferenz der ARD-Radios. Das ist gewissermaßen auch schon der einzige Fixpunkt in der Sendung. Da mir – wie gesagt – einige Anmoderationen fehlen, lästere ich im Anschluss an die Konferenz mit den Hörern darüber, ob Bayern es wirklich verdient hat, schon wieder Meister zu sein und ob es Sinn hat, dass immer der gleiche Verein gewinnt. Die Zuhörer stimmen mir da überwiegend zu – nein, so richtig richtig könne das nicht sein. Eine Anruferin mutmaßt, es liege daran, dass die Bayern von klein auf immer so viele Knödel zu Essen kriegen und das die Spieler deshalb so gut mit Bällen umgehen können. Eine andere Hörerin freut sich über die Meisterschaft. Sie bekommt von der HypoVereinsbank jetzt zusätzliche Zinsen auf ihr Sparkonto.

Danach kommen noch die Veranstaltungstipps für das Wochenende (mit einigen echt genialen Konzerten von namibischen Musikern!), ein kurzes Deutsche Welle Feature zur Macht der Medien und ein Beitrag über das WM-Quartier der deutschen Fußballnationalmannschaft; die zieht nämlich während der Weltmeisterschaft in das Schlosshotel in Berlin Grunewald, ein Luxushotel, das der DFB während des ganzen Turniers komplett gebucht hat.

Dazwischen bleibt noch Platz für einige Grüße. Es sind fast nur Hörerinnen, die anrufen, um Hochzeitstagsgrüße oder Nachrichten an Bekannte durchzugeben. Ob es daran liegt, dass ich im Radio wie der perfekte Schwiegersohn klinge (siehe Abi-Zeitung LMG2003) oder an der Musik? Ich tippe stärker auf die Musikmischung. Zwischen Titeln von Marianne Rosenberg und Patrick Lindner laufen Klassiker wie “Marmor, Stein und Eisen bricht” und “Geboren, um dich glücklich zu machen” – eine deutsche Coverversion von einem Britney Spears Hit.

“Gut Aufgelegt” endet mit den neuesten NBC-Nachrichten – der Aufmacher ist mal wieder der namibische Fischereiminister Iyambo, der eine neue Statistik über den Fischfang in Namibia vorgelegt hat.

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Gazza

Posted by Julian Kanth on Apr 26 2006 | NBC

Er gilt als einer der erfolgreichsten Künstler aus Namibia, im vergangenen Jahr hat er so viele Platten hier verkauft, wie keiner sonst. Die Rede ist von Gazza, einem namibischen Künstler. Seine Musik ist vom südafrikanischen Kwaito beeinflusst, auch Rap und Reggae-Musik fließen in seine Stücke ein. Kollegin Natascha sagt: “Der ist so süß.”

Gazza und Julian (thanks Maike)Er hat sich Zeit für ein Interview beim Deutschen Hörfunk genommen, am nächsten Tag wird er zu seiner ersten großen Tour aufbrechen. Er ist ein sehr sympathischer und bescheidener Kerl. Das Interview machen wir in “Wissen ist Macht”, das passt zwar nicht so hundertprozentig in das Konzept der Sendung, aber für mich ein geeigneter Zeitpunkt, einmal einen Haufen Fragen zu stellen. In den 60 Minuten Sendezeit bleibt deshalb auch effektiv nur Zeit für zwei Musikstücke – ein sehr intensives Interview also. Selbst Gazza sagt, die Fragen brächten ihn zum Nachdenken. Er erzählt von den Nachteilen des Starseins in Namibia, die Menschen würden ihn auf der Straße erkennen, sagt er. Der Vorteil sei aber, so Gazza, das er in einigen Behörden schneller rankomme und in der Bank nicht in der Schlange stehen müsse.

Gazza beim InterviewGazza spricht nur Englisch. Deshalb muss Kollegin Naita für die Hörer übersetzen, so kann ich mich aufs Fragenstellen konzentrieren. Als ich nach der Sendung über das Interview nachdenke, fällt mir auf, dass wir die Hörer ganz schön gefordert haben – mit einem Wortblock, mitten am Nachmittag, von fast 45 Minuten.

Mir steht im Anschluss noch eine Sendung bevor – das Karussell. Das wäre auch an sich gar kein Problem, allerdings ist die Klimaanlage seit drei Tagen ausgefallen und im Studio ist es extrem warm und Frischluft kommt auch nicht herein. Das ist übrigens, wie mir erzählt wird, auch so eine typische NBC-Geschichte. Die Anlage hätte vor einigen Jahren mal ordentlich gewartet werden müssen, denn jetzt gibt es keine Ersatzteile mehr. Ähnlich sieht es mit dem Computer-Netzwerk aus. Entweder funktioniert der Login nicht, der Drucker will nicht drucken oder der Zugriff auf Netzwerkordner ist nicht möglich. Das ist für mich zwar eine interessante Erfahrung, für die Kollegen allerdings eine Dauerbelastung.

Mehr Informationen zu Gazza: http://www.gazza.com.na

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Arbeitstag

Posted by Julian Kanth on Apr 12 2006 | NBC

Inzwischen bin ich 2 ½ Wochen hier in Namibia. Die Zeit vergeht unglaublich schnell und ich werde von neuen Eindrücken überschwemmt. Das könnte einer der Gründe sein, warum ich bisher noch nicht auf die alltäglichen Dinge eingegangen bin. Zu wichtig und raumgreifend waren offenbar die wirklich neuen Dinge. Aber letztlich bin ich nicht nur hier in Windhoek, um Tourist zu sein – auch wenn ich das im Moment sehr genieße.

Julian im StudioSeit 2 ½ Wochen bin ich also hier und seit 2 ½ Wochen habe ich schon fleißig beim Radio gearbeitet. Von Montag bis Freitag mache ich seit dem ersten offiziellen Praktikumstag die Sendung “Wissen ist Macht”. Sie begleitet so ein bisschen die Jugendlichen in den Nachmittag – von 15.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Die Sendung ist monothematisch und in den 60 Minuten gibt es also immer vier bis fünf Blöcke mit Hintergrundinformationen zu irgendeinem Thema. Gestern habe ich zum Beispiel über einen Tierschützer berichtet, davor über Grizzly-Bären, über den Schriftsteller Jack London oder Dinosaurier. In “Wissen ist Macht” vertrete ich eine Kollegin, die im Moment zu einer Fortbildung bei der Deutschen Welle in Deutschland ist. Sie hat fleißig vorgearbeitet und hat mir einen Ordner hinterlassen, mit Skripten für die Sendung. Deshalb brauche ich im Grunde nur noch Anmoderationen zu schreiben und Musik auszuwählen – konkret bedeutet das, ich kann eine Stunde lang die Musik spielen, die ich mag. Das macht Spaß.

Fast täglich kümmere ich mich auch um die Sendung “Welt Aktuell” – eine 45-minütige Nachrichtensendung mittags um 13 Uhr. Darin werden von der Deutschen Welle zugelieferte Beiträge zusammengestellt. So behalte ich trotzdem meinen Nachrichtenfaden, auch wenn ich hier fast kein Fernsehen schaue und keine Nachrichtenschichten mache. Das besonders Spannende an der Arbeit an “Welt Aktuell” sind die Bandmaschinen, mit denen ich die Beiträge bearbeite. Ich gehöre ja eigentlich zur digitalen Radio-Generation, die mit digitalen Schnittsystemen und Sendeautomationen gewissermaßen groß geworden ist, bzw. groß wird. An einem der ersten Praktikumstage stand ich also vor einer dieser großen klobigen Maschinen, auf die man Bandspulen und Bänder legt. Und dann geht es ans Handwerk. Eine interessante Erfahrung.

Außerdem gibt es noch die Sendung Karussell. Bisher war ich für die Ausgabe am Mittwochnachmittag Die legendaeren Bandmaschineneingeteilt. Die Hörer können beim Karussell anrufen und Mitfahrgelegenheiten suchen, anbieten, Dinge verscherbeln, nach Haushaltshilfen suchen oder mitteilen, dass ihnen ein kleiner weißer Hund mit einem schwarzen Punkt auf dem Schwanz zugelaufen ist. Der Knaller an der Sendung sind aber Omas Haushaltstipps, die mich viel Mühe kosten, sie glaubwürdig zu verkaufen. Nächste Woche mache ich die Sendung vertretungsweise täglich – dann auch natürlich mit vielen Haushaltstipps. Wie gut, dass es nicht so klingt, als wären das meine Tipps. Das würde vermutlich keiner der Hörer glauben – und ich selbst schon gar nicht.

Aber bevor es in diese Karussell-Woche geht, fahre ich in die Wüste. Da bin ich dann wieder mehr Tourist. “Dunes Deluxe” heißt die Tour. Ich freue mich schon!

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