Archive for the 'Leben' Category

Swakopmund

Posted by Julian Kanth on Mai 29 2006 | Leben, Neues aus Namibia

Blick auf den Trans-Kalahari-Highway Richtung MeerAuf dem Trans-Kalahari-Highway geht es Richtung Westen in Richtung Meer. Die Straße geht mitten durch die Namib-Wüste. Links und Rechts wachsen hauptsächlich gelbgefärbte Gräser, je weiter man Richtung Meer kommt, desto steiniger und wüstenähnlicher wird die Landschaft.

Rund vier Stunden – mit einigen Pausen – braucht man, wenn man mit einem Ü-Wagen der NBC von Windhoek aus nach Swakopmund fährt. Swakopmund ist das Urlaubsparadies für die Namibier. In der Hauptferienzeit Ende Strandpromenade und LeuchtturmDezember/Anfang Januar ist das Städtchen voll und die Ferienwohnungen sind ausgebucht. Außerhalb der Saison ist es vergleichsweise ruhig.

Es sei denn – wie es im Moment ist – berühmte Hollywood-Stars sind zu Gast. Man munkelt nämlich ziemlich laut, dass Angelina Jolie und Brad Pitt in Swakopmund sind. Angelina will mutmaßlich ihr Kind hier zur Welt bringen, mit Der Atlantik aus Swakopmunder Sichteiner Wassergeburt, wie es weiter heißt. Deshalb ist es in Swakopmund nicht so ruhig, immer wieder hört man von Paparazzi, die auf komplizierteste und aufwändigste Art und Weise versuchen, Fotos von den Stars zu erhaschen.

Swakopmund an sich ist ordentlich angelegt. Schaut man sich den Stadtplan an, erinnert er ein bisschen an die Reißbrettarchitektur einiger amerikanischer Städte – die Straßen kreuzen sich im rechten Winkel. Sie sind breit angelegt und nur die Hauptstraßen sind asphaltiert.

Julian und das MeerVom Stadtzentrum aus ist es nur einen Steinwurf bis zum Strand. Die namibische Küste ist endlos weit – trotzdem gibt es nur einen richtigen Hafen, den in Walvis Bay, den man in der Ferne erahnen kann, wenn man in Richtung Süden schaut. Es riecht nach Meer, die Luft ist salzig, dazu das vertraute Geräusch der Brandung, die an den Strand schlägt. Am Himmel kreisen Möwen, auch ihr Schreien klingt vertraut. Rund um den Strand wird viel gebaut, neue Ferienanlagen, neue Hotels. Hier soll in einigen Jahren auch ein riesiger Golfplatz direkt am Meer entstehen und ein Yachthafen. Dafür müssen einige andere Häuser weichen und auch einige alte Gebäude.

Willi und der SandDie deutsche Privatschule, der Grund für die Reise nach Swakopmund, liegt etwa 500 Meter vom Meer weg. Dort ist Schulfest. Das Thema ist der “Wilde Westen”. Der ganze Schulhof ist dekoriert. Es gibt einen Saloon, in dem man abends Cocktails bekommen soll, einen Schießstand, für die Kleineren gibt es Dosenwerfen und Moorhuhnschießen. Das Wetter ist extrem gut – sommerlich, würde man vermutlich in Deutschland sagen. Sommerlich ist aber hier der falsche Ausdruck, es ist ja Winter. Diese Unterscheidung macht mir auch nach wie vor Probleme. Für mich ist jetzt im Moment Sommer – auch vom Wetter her. Für die Namibier ist Winter.

Der Blick von Swakopmund in die WuesteDrei Stunden senden wir mit dem Ü-Wagen live von dort. Es gibt Interviews, Reportagen – ich wage mich in die Geisterbahn und blamiere mich beim Moorhuhnschießen. Es gibt kein festgelegtes Format oder gar einen Sendeplan. Immer wenn ein Gesprächspartner bereitsteht, wird die Musik ausgeblendet und das Interview wird geführt – frei nach Schnauze.

Als wir die Sendetechnik abbauen, ist das Schulfest noch lange nicht zu Ende. Im Festzelt spielen verschiedene Schülermusikgruppen, Eltern treten auf und es gibt frisch gegrilltes Fleisch mit Kartoffel- und Karottensalat.

Erst am nächsten Morgen geht es zurück über den Trans-Kalahari-Highway, der im Osten bis in die Hauptstadt von Botswana, Gaborone, führt, nach Windhoek.

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Katutura

Posted by Julian Kanth on Mai 20 2006 | Leben, Neues aus Namibia, Touren

MartkstandIn Katutura, da sind sich alle Reiseführer einig, schlägt das schwarze Herz Windhoeks. Wenn man nämlich durch die Windhoeker Innenstadt geht, fühlt es sich fast an, als ginge man durch eine mittlere europäische Großstadt. Die Straßen sind aufgeräumt, es ist sauber, es gibt viele Geschäfte und sortierte Supermärkte. Fährt man aber etwas raus aus der Innenstadt in Richtung Nordwesten, eben nach Katutura, ändert sich das Bild deutlich.

“Katutura” ist ein Herero-Wort und heißt übersetzt so etwas wie “Der Platz, an dem wir nicht leben wollen”. Der Stadtteil ist in der Apartheid-Zeit entstanden, als Namibia noch zu Südafrika gehörte. Jeder Stamm hatte dort seinen eigenen Bereich. Die einfachen Häuser tragen zum Teil noch heute Markierungen mit Buchstaben wie “D” für Damara oder “H” für Herero. War es früher Zwang, so leben die meisten heute gerne dort. Die alten Stammes-Sektionen gibt es zwar noch, aber inzwischen hat sich alles etwas vermischt.

GrillstandJeden Tag von 9 Uhr bis 21 Uhr gibt es im Zentrum von Katutura einen Markt. Dort kann man getrockneten Fisch kaufen, Mopanewürmer, einheimische Früchte und frisches oder frisch-gegrilltes Fleisch. In einer Ladenzeile gibt es Frisörläden, handgeschneiderte Kleider, gebrauchte Elektronikartikel, reparierte Handys und vieles anderes mehr. Außerdem gibt es Stände, an denen man handgefertigte Schuhe kaufen kann. Die bequemen Halbschuhe sind aus Kuduleder und die Sole besteht aus recycelten Autoreifen. 170 Namibia-Dollar kostet ein Paar – also nicht einmal 22 Euro.

Katutura Ein kleines Stück weiter entfernt von diesem Zentrum fängt das neuere Katutura an. Dort sind die Häuser nicht mehr gemauert, sondern nur noch aus Wellblech und allen möglichen anderen Teilen, die die Besitzer irgendwo gefunden haben. Die Windhoeker Stadtverwaltung ist permanent damit beschäftigt, Ordnung in diesen sich immer weiter ausbreitenden Teil der Stadt zu bekommen. Die Behörden haben in den vergangenen Jahren bereits weitere Teile Katuturas mit Überlandleitungen an Strom- und Telefon angeschlossen. Zum Teil entstehen aber über Nacht immer neue Häuser, so dass der Stadtteil immer weiter wächst. Die Menschen kommen aus allen Landesteilen nach Windhoek und hoffen darauf, in der Hauptstadt Arbeit zu finden.

Etwas außerhalb von Katutura ist die Werkstatt des “Penduka”-Projekts. “Penduka” heißt “Wach auf!”. Es ist ein Hilfsprojekt, das vor allem Frauen – bevorzugt auch Behinderten – Arbeit gibt. Sie arbeiten dort in der Werkstatt und nähen Kissen, besticken Decken oder machen Schmuck aus altem Glas. 38 Menschen arbeiten dort im Moment, nur fünf sind männlich. Die produzierten Produkte werden im direkt angrenzenden Laden verkauft.

Rebecca im Habitat Reserach and Development CenterIn der Nähe der “Hans-Dietrich-Genscher-Strasse” liegt das “Habitat Research and Development Center”. Das Projekt wurde vom namibischen Bauministerium bezahlt. Das ganze Gebäude ist eine spannende Mischung aus ganz verschiedenen Baumaterialien. Es ist nicht zufällig am Rande von Katutura angesiedelt. Das Ziel ist es, den Menschen, die sich ihre Hütten aus allen möglichen Rest- und Abfallmaterialien bauen, zu zeigen, wie sie effektiver, haltbarer und energiesparender bauen können. Gleich am Eingang ist eine extrem stabile Mauer aus alten Dosen aufgebaut. Drinnen bestehen die Wände aus ganz verschiedenen Materialien: aus Natursteinen, aus Lehm und Styropor oder anderen Naturstoffen, die günstig oder umsonst beschafft werden können. Der Chef, ein Namibier deutscher Abstammung, erzählt, dass das Center den Menschen beweisen soll, dass diese alternativen Bauweisen tatsächlich möglich sind. Deshalb könne man hier alles sehen und anfassen. Das Projekt sei als Praxis-Erfahrung gedacht, um den Menschen Alternativen zu den zugigen und kalten Hütten zu bieten, so der Chef des Centers.

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Okotjitundu

Posted by Julian Kanth on Mai 18 2006 | Leben, Neues aus Namibia, Touren

An der FeuerstelleWildunfälle sind nicht selten in Namibia. Die Straßen führen quer durch die Landschaft und mitten durch die Wildnis. Besonders im Dunkeln ist das Wild aktiv, Kudus oder Warzenschweine laufen über die Straße. Es ist kurz nach 1 Uhr in der Nacht. Vollmond. Wir sind unterwegs auf der Landstraße von Okakara in Richtung Osten. Plötzlich werde ich aus dem Halbschlaf gerissen. Der Fahrer macht eine Vollbremsung, es gibt einen heftigen Schlag auf die Frontscheibe. Dann Stille. Ein Kudu ist über die Straße gelaufen und – glücklicherweise – noch rechtzeitig gesprungen und hat deshalb nur der Scheibe einen großen Sprung verpasst. Ein zweites Kudu wartet eingeschüchtert auf der anderen Straßenseite.

Das Ziel ist Okotjitundu, ein Hererodorf. Dave, ein Techniker aus dem Hauptschaltraum der NBC hat Maike, die andere NBC-Praktikantin, und mich eingeladen, mit in sein Heimatdorf zu kommen. In Zusammenarbeit mit einer nicht-Regierungsorganisation hat er dort ein Fest organisiert, bei dem vor allem die jungen Bewohner über Aids-Prävention aufgeklärt werden sollen.

Die Foto-JungsEs ist kurz nach drei als das Auto die Farm erreicht, auf der wir übernachten werden. Es ist extrem kalt; vielleicht etwa so drei oder vier Grad Celsius. Ich fröstele etwas in meiner Winterjacke. Glücklicherweise haben unsere Gastgeber vorgesorgt und schon ein Zelt aufgestellt, in dem wir schlafen können. Als wir in die Schlafsäcke klettern, fängt bereits der erste schlafgestörte Hahn an, zu krähen.

Nur knapp vier Stunden später heißt es schon wieder aufstehen. Die Sonne scheint bereits und es ist wieder angenehmer von der Temperatur her. In der Mitte des etwa handballfeldgroßen Grundstücks ist eine Feuerstelle. Rechts neben unserem Zelt steht eine kleine, grüne Hütte. Sie ist vielleicht 20 Quadratmeter groß. Dort wohnt Dave am Wochenende zusammen mit seiner Frau. Drinnen ist nur Platz für ein großes Bett, eine einfache Küchenzeile und einen Spiegel. Das Dach ist aus Wellblech.

Die Huette mit dem ZeltZusammen mit meinem Gastgeber mache ich einen kleinen Rundgang durch die Nachbarschaft. Schafe und Ziegen warten eingezäunt darauf, dass sie endlich wieder frei im Gelände herumlaufen dürfen. Von hinten kommen fünf Jungs aus einem Nachbardorf angeritten. Sie wollen unbedingt, dass ich Fotos von ihnen mache. Auch die Nachbarn von Dave fangen an, zu strahlen, als sie die Kamera sehen. Sie sind gerade dabei, auf traditionelle Herero-Weise, Bratfett herzustellen.

Die Scheibe mit dem Kudu-SprungIn ganz Namibia wohnen laut “Lonely Planet” etwa 180.000 Hereros, in Okotjitundu (was ungefähr so was heißt wie “Termitenhügel”, denn in der Gegend gibt es wirklich eine Menge von diesen Tieren) leben rund 200 von ihnen. Viele von ihnen arbeiten in Windhoek und sind nur am Wochenende und in den Ferien in ihrem Heimatdorf. Einige arbeiten allerdings auch als Farmer in “Oschitundu”, wie das Dorf auch sprachökonomisch heißt.

Auf dem Festplatz riecht es nach brennender Holzkohle. Es gibt Frühstück: frisch gegrilltes Kudufleisch. Als Beilage gibt es süße Brötchen. Auf dem Platz stehen ein paar Zelte. Ein Fussballfeld ist abgesteckt und ein Netzball-Feld vorbereitet. Rundherum stehen ein paar vereinzelte Bäume. Inzwischen brennt die Sonne und es ist warm. Mindestens 20 Grad mehr als noch in der Nacht.

Kinder mit JulianSchon in Windhoek ist es für einen Deutschen ein ungewohntes Gefühl, durch die Straßen zu gehen, und als Weißer in der Minderheit zu sein. In Okotjitundu sind Maike und ich die einzigen. Einige Bewohner erzählen uns, dass sie noch nie Besuch von Menschen mit weißer Hautfarbe gehabt haben, einer erzählt sogar, er habe noch nie mit einer weißen Frau gesprochen.

Gegen Mittag beginnen acht Männer damit, eine Kuh zu schlachten – ganz den alten Traditionen entsprechend. Das Tier wird dazu an den Beinen gefesselt und anschließend erstickt. Das dauert ein paar Minuten. Minuten, in denen das Tier noch mehrfach zuckt und versucht, sich von der Umklammerung zu befreien. Anschließend wird die Kehle durchgeschnitten und die Haut abgezogen. Das Fleisch wird auf extra mitgebrachtem Laubästen gelagert, damit es nicht im Sand liegt. Das gehört auch zur Tradition. Später wird alles in kleinere Stücke geschnitten und in großen, gusseisernen Töpfen auf offenem Feuer gekocht.

Während die acht Farmer mit der Kuh beschäftigt sind, beginnt in einem der Zelte das offizielle Programm. Lokale Behördenvertreter und Lehrer halten Vorträge über Aids, über die Gefahren und die Vorbeugung. Sie sprechen Oshi-Herero. Die Menschen sitzen geduldig da und hören zu. Am Ende werden bei einem kleinen Quiz mit einfachen Fragen Kondome verschenkt. Zum Abschluss holt der Bürgermeister Maike und mich nach vorne. Wir haben Schulmaterialien mitgebracht. Sie sind für die San bestimmt, ein anderer Stamm in Namibia. Einige von ihnen wohnen in der direkten Nachbarschaft des Dorfes. Für sie soll in einer Woche eine neue Schule eröffnet werden.

Außerdem haben wir Süßigkeiten mitgebracht: Bonbons in verschiedenen Farben und Kaugummis. Wie eine hungrige Meute scharen sich die Kinder um uns. Nach nicht einmal fünf Minuten sind alle Tüten leer.

Maike und die MeuteAm späten Nachmittag, nachdem sich die Jugendlichen auf den Spielfeldern in verschiedenen Sportfeldern gemessen haben (die Jungen beim Fußball, die Mädchen beim Netzball) gibt es wieder Essen. Frisch gekochtes Kuhfleisch dazu Milibab, den traditionellen Maisbrei, den es fast überall in Namibia als Beilage gibt.

Nachdem es dunkel geworden ist, werden Lagerfeuer entzündet. Aus den Lautsprechern der geparkten Autos dröhnt Musik. Es ist moderne Herero-Musik. „Wild Dogs“ heißt eine der Musikgruppen, die hier besonders beliebt ist. Einige Titel laufen in der Hot-Rotation. Es wird getanzt – modern-traditionell, im Rhythmus der Musik, als würde man mit einem Spaten ein Loch in den Boden graben. Die Menschen sind insgesamt sehr aufgeschlossen. Nicht nur, dass sie unbedingt fast alle fotografiert werden wollen. Viele sind auch einfach neugierig, fragen, wo wir herkommen, was wir in Namibia machen, wie wir das Land finden und das Fest. Die meisten sprechen Englisch, die Amtssprache in Namibia, einige sprechen sogar Deutsch, nur mit wenigen müssen Hände, Füße und Gesten aushelfen. Einige Jugendliche erzählen uns, dass sie es schön finden, dass wir zu Besuch sind, dass es sie freut, dass wir uns wohl fühlen.

Es ist nicht einmal 21 Uhr, als Maike und ich erschöpft ins Zelt fallen. Die Nacht ist nicht ganz so kalt wie die vorangegangene. Im Schlafsack ist es warm. Am nächsten Morgen werde ich von der Sonne geweckt. Sie strahlt intensiv auf das Zelt, deswegen ist es schnell sehr warm. Während wir die Sachen zusammenpacken, fängt es an, zu regnen. Gegen Mittag holt uns der Golf, mit dem wir hergekommen sind, ab. Der Fahrer sagt, er wolle schnell und direkt und ohne Pause nach Windhoek fahren. In drei Stunden, gegen 15 Uhr, so sagt er, würden wir wieder in Windhoek sein.

Da wir auf dem Weg allerdings doch noch immer wieder Leute treffen, plötzlich noch dies und das zu regeln ist und dann doch noch eine weitere Pause gemacht werden muss, kommen wir erst gegen 18 Uhr erschöpft und voll mit neuen Eindrücken und Bildern im Kopf in Windhoek an. The African Way of Life.

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Karneval

Posted by Julian Kanth on Apr 30 2006 | Leben, Neues aus Namibia

Es ist schon etwas paradox. In Deutschland habe ich mich nie wirklich mit Karneval beschäftigt – Ok, mal abgesehen vom Kamellesammeln beim Rosenmontagsumzug in meiner Grundschulzeit. Nun bin ich in Namibia – rund 14 Flugstunden von Deutschland entfernt – und habe das volle Karnevalsprogramm miterlebt. Kamen Prinzengarde, Funkenmariechen, Elferrat und Büttenabend in meinem Wortschatz nicht vor, sind sie jetzt fester Bestandteil geworden.

Das neue Prinzenpaar erhaelt vom Buergermeister den Schluessel zur StadtMit dem Biwak, über das ich vor ein paar Wochen ja schon berichtet habe, hat der Karneval in Windhoek angefangen. Die Narrenzeit ist hier anders als in Deutschland erst Ende April. Mein Reiseführer hat mir verraten, dass das vor allem mit dem Wetter zusammenhängt. Zur deutschen Narrenzeit ist es hier nämlich Hochsommer und extrem heiß. Das ganze Programm – die WiKa-Woche (Windhoeker Karneval) – dauert zehn Tage.

Freitag vor einer Woche war der Prinzenball, das ist eines von diesen Events, die ich bisher wenn überhaupt maximal vom Durch- und gleich Weiterzappen im Fernsehen kannte. Die Prinzengarde hat getanzt, das alte Prinzenpaar ist abgetreten und Prinz Rolf, der Ballermann und Kerstin, die Therapierende haben das Zepter übernommen. Dazu gab es – wie sollte es auch anders sein – den Prinzensekt und das Wika-Bier, dass die Namibia Breweries eigens für den Karneval gebraut haben – und beides natürlich in guten Mengen. Und weil diese Standardsachen nicht genug waren, kamen auch Springbockis – fiese Mixschnäpse, die sehr süß schmecken – noch oben drauf. Das Ganze war dann eine Mischung, die mich am Ende des Abends ordentlich ins Schunkeln und Schwanken gebracht hat.

KarnevalsumzugAm nächsten Morgen, am Samstag, hieß es dann früh (8 Uhr – und das ist, wenn man die Nacht über lange weg war, schon sehr früh) aufstehen. Das hat sogar – für mich überraschend gut – geklappt. Live-Übertragung vom Karnevalsumzug auf der Independence Avenue, der Hauptsstraße in Windhoek. Der Karnevalsumzug an sich ist, wie ein Karnevalsumzug sein sollte, 38 Wagen, bunt geschmückt, wieder viel Alkohol und Menschen, die Bonbons in die Menge schmeißen. Das bemerkenswerteste an der Parade war für mich allerdings das Wetter. Aus dem Fernsehen kannte ich vor allem Karnevalsumzüge bei schlechtem Wetter – typisches deutsche Februarwetter eben, Regen, kalt und so. Hier bin ich in T-Shirt rum gelaufen, der Himmel strahlend blau, dazu und links und rechts der Hauptstraße tausende von Menschen – einige hatten sich sogar einen Grill mitgebracht. Diese Bilder haben mich eher an die Tour-de-France als an einen Karnevalsumzug erinnert.

BuettenredeDie Narrentage gingen dann mit den Büttenabenden weiter. Erst der Internationale- dann der deutsche Büttenabend. Ich habe selbstverständlich beide mitgemacht. Beim Internationalen Büttenabend waren total unterschiedliche Menschen da und auch die Sprachen waren dementsprechend sehr gemischt, ein kleines bisschen Deutsch – für das Karnevalsvokabular zum Beispiel – eine Büttenrede auf Englisch und dann die zweite Hälfte der Party nur noch auf Afrikaans. Das war dann ein bisschen der Nachteil für mich, weil, na ja, ich kann nun mal kein Afrikaans. Zu Essen gab es Eisbein mit Kartoffeln und Sauerkraut – übrigens für mich eine weitere Premiere. Am Donnerstagabend kam dann noch der Deutsche Büttenabend hinterher – da habe ich dann – Überraschung – alle Kalauer verstanden (mal abgesehen von einigen regionalen Insidergags). Büttengastreder aus Mainz waren dabei, aus Pretoria und von anderen Karnevalsclubs in Namibia. Um die Musik haben sich die “Wikaphoniker”, die Windhoeker Karnevalsband und – aus Köln eingeflogen – “De Räuber” gekümmert.

KarnevalsfinaleEigentlich wären noch der Maskenball, der Jugendkarneval und der Kehraus hinterhergekommen – aber das ging nun gar nicht mehr. Denn nach den Partys am Abend musste ich IMMER am nächsten Tag arbeiten und außer regungslos auf dem Bett liegen ist im Moment einfach nicht mehr drin. Außerdem braucht auch meine Leber eine kleine Auszeit, die ist ja diese Alkoholmengen auch nicht so gewohnt.

Ich habe beim Karneval Spaß gehabt. Den Karneval in Halle werde ich mir in Zukunft trotzdem nicht geben – die TV-Halle-Übertragung des halleschen Rosenmontagsumzug war einfach zu abschreckend – und das Wetter ist ja immer so schlecht.

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Abenteueressen

Posted by Julian Kanth on Apr 18 2006 | Leben, Neues aus Namibia

Ostersonntag. Zusammen mit vier anderen aus der “Dunes Deluxe”-Tour habe ich mich zum Essen verabredet. Im “La Marmite”, einem Restaurant, in dem es auch traditionelles afrikanisches Essen gibt. Nicht alle haben Zeit, mitzukommen. Die Beiden aus Amsterdam sind schon am Nachmittag in Richtung Kapstadt abgereist, das Pärchen aus London muss noch einiges vorbereiten, weil sie am nächsten Morgen früh zur nächsten Tour in den Etosha Nationalpark aufbrechen. Also bleiben noch Federico aus Italien – er lehrt italienisch an der Universität in Kapstadt -, Alisa aus den USA, die in Kapstadt bei einer NGO arbeitet und auch noch einen Reisebericht über die Wüstentour schreiben will, Katrina aus Neuseeland, die in Johannesburg arbeitet, Melinda aus Australien, die Katrina in Südafrika besucht und ich.

Wir einigen uns darauf, einfach mehrere Gerichte zu bestellen und die Teller in die Mitte zu stellen, so dass jeder ein bisschen was probieren kann. Orex-Antilope, Kuskus, Fisch, Pommes, Reis und Würmer. Ich muss gestehen, den genauen Namen der Würmer habe ich inzwischen schon wieder vergessen. Sie sehen nicht sehr lecker aus. Die Würmer ähneln einem normalen, durchschnittlichen Regenwurm, sie sind allerdings nicht so lang und etwas dicker. Sie werden gebraten, so werden sie kross und dann werden sie noch ordentlich gewürzt. Wenn man nicht zu genau darüber nachdenkt, was man gerade isst, kann man sie sogar herunterschlucken. Und eigentlich schmecken sie nach nichts. Das Gewürz überdeckt alles. Der Panzer knirscht etwas zwischen den Zähnen, aber das ist eigentlich auch schon das einzig wirklich bemerkenswerte an dieser namibischen Spezialität.

Nach dem Essen wollen wir noch etwas Trinken gehen. Da keiner so richtig eine gute Idee hat, wo wir hingehen sollen, entschließen wir uns Federico hinterherzulaufen, der in der Nähe schon mal in einem Club war. Als wir da ankommen, sind wir die einzigen Gäste und gehen gleich wieder. Wir steigen also in ein Taxi ein, sagen dem Fahrer, dass wir eine nette Bar suchen. Der Taxifahrer weiss nicht so recht, wohin er uns fahren soll. Wir einigen uns auf “El Cubano”, das ist auch eine nette Bar, habe ich mir sagen lassen, selbst da war ich allerdings noch nicht. Den Straßennamen, den wir ihm nennen, kennt er nicht, deshalb irren wir etwas durch Windhoek. Das “El Cubano”, das wir nach einigem Suchen finden, hat geschlossen. Deshalb entschließen wir uns, doch in die Chameleons Backpackers Lodge zu fahren. Das ist auch die Firma, die die Wüstentour organisiert hat. Dort übernachtet Alisa und dort gibt es eine Bar. Der Taxifahrer kennt den Weg dorthin zwar auch nicht, aber dorthin können wir ihn leiten.

Taxifahren in Windhoek ist an sich ziemlich spannend. Die meisten Taxifahrer fahren auf eigene Rechnung mit eigenen Autos. Meistens sind es Autos, die in Deutschland vermutlich schon lange vom TÜV aus dem Verkehr gezogen worden wären, aber in Namibia fahren sie eben noch und erfüllen ihren Zweck – für 6 Namibia Dollar tagsüber und 12 Namibia Dollar nachts kann man sich auch definitiv nicht beschweren. Aber weil die meisten eben keine professionellen Taxifahrer sind, kennen sie sich meistens nicht aus. Deshalb kann ein bisschen Ortskenntnis nicht schaden, wenn man mit diesen günstigen Taxis fährt.

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