Archive for the 'Reisen' Category

Vom Wein- ins Surferparadies

Posted by Julian Kanth on Jun 21 2007 | La vie parisienne, Reisen

Wenn man bei der französischen Bahn rechtzeitig die Fahrkarten kauft, kann man recht günstig durch das ganze Land fahren. Um nach dem Prüfungsstress noch ein paar Tage auszuspannen, bevor es nun sehr bald wieder zurück nach Deutschland geht, bin ich ein wenig durch das Land gefahren: zur Weinprobe nach Bordeaux (genaugenommen ins Weindorf Saint Emilion) und danach an den Atlantik, ins französische Baskenland nach Biarritz. Um die Reise kompakt zusammen zu fassen: anders als im April war das Wetter erheblich besser, die Weine beim Weinfest (man kauft ein Glas für drei Euro und kann von einem Stand zum nächsten gehen) der absolute Genuss und der Strand und die Wellen in Biarritz die absolute Wucht. Mehr Eindrücke von der Tour in der Bildergalerie.

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“Kinder, was war das schön”

Posted by Julian Kanth on Apr 17 2007 | La vie parisienne, Reisen

Südfrankreich gehört mit Sicherheit zu einer der sonnenverwöhntesten Regionen Europas. Die Menschen sind entspannt, es riecht abwechselnd nach den Kräutern der Provence und frischem Fisch und auf den Feldern reifen die Trauben für erlesene Weine – das versprechen zumindest die Reiseführer und Millionen von Touristen bestätigen das jedes Jahr. Was kann man da falsch machen? Auf in den Urlaub! 

Es ist Dienstagmorgen, ziemlich früh, kurz vor sechs. Es ist noch dunkel und Strand in Palavas-les-Flotsdie Luft ist frisch. Am Gare de Lyon stehen auch um diese Zeit schon einige Menschen in der Wartehalle, um die ersten Expresszüge des Tages in Richtung Süden zu nehmen. Anders als in Deutschland schreibt die französische Eisenbahngesellschaft SNCF die Gleise, an denen die Züge abfahren, nicht sofort mit auf die Anzeigetafel, sondern erst kurz vor der Abfahrt. Etwas Zeit also zu frühstücken. Typisch französisch, „un croissant et un café, s’il vous plaît“.

Der TGV nach Montpellier fährt an diesem Morgen von Gleis A. Er scheint ausgebucht, alle Plätze sind besetzt. Pünktlich um 6.24 Uhr gleitet er elegant aus dem Bahnhof und an den Vororten von Paris vorbei, danach gewinnt er an Fahrt und die Landschaft rauscht vorbei. Die Sonne geht auf, es wird ein schöner Tag. Als ich nach einem kleinen Nickerchen wieder aufwache, hat sich die Welt vor dem Zugfenster verändert. Es ist grau und diesig. Der Wetterbericht hatte offenbar doch recht. Regen im Süden, sommerliche Temperaturen im Norden und Osten des Landes. 

Nach dreieinhalb Stunden Fahrt und nur zwei Zwischenhalten erreicht der TGV Montpellier. Es ist Arena von Nîmesnoch nicht 10 Uhr, die Stadt wirkt aber sehr leer. Nur wenige Menschen sind auf den Straßen unterwegs, nur vereinzelt fahren Autos vorbei. Paris scheint meinen Maßstab verändert zu haben. Denn egal wen ich darauf anspreche, erwidert mir, er finde Montpellier sehr lebhaft. Ich habe genau den gegenteiligen Eindruck. Es scheint sich allerdings gerade sehr viel zu verändern. Innerhalb relativ kurzer Zeit sind zwei neue Straßenbahnlinien gebaut worden und zahlreiche neue Gebäude und gigantische Einkaufszentren aus dem Boden gestampft worden. Montpellier will sich herausputzen, wahrscheinlich um mehr Touristen anzulocken. 

Einige Kilometer außerhalb von Montpellier liegt der Strand von Palavas-les-Flots. Immerhin scheint die Sonne etwas, so dass es angenehm ist, sich im rauen Sand etwas auszuruhen. Hinter der Uferpromenade stehen Häuser, die darauf schließen lassen, dass es hier im Sommer sehr voll ist. Die Ferienbungalows versprühen allerdings einen Charme, der auf eine starke Expansion des Ortes in den 1970er Jahren vermuten lässt, architektonisch nicht sehr attraktiv.

Mit einem gemächlichen Regionalzug geht die Tour nach zwei Nächten in der Jugendherberge weiter nach Nîmes, eine Stadt, die viel von ihrem römischen Erbe bewahrt hat. Nicht weit Innenstadt von Nîmesentfernt vom Bahnhof steht ein gigantisches Amphitheater, das etwa 100 Jahre nach Christus erbaut wurde und auch heute noch gut erhalten ist. Die Stadt brüstet sich, die Arena sei die besterhaltene dieser Größe. In der Tat ist es imposant durch die intakten Gänge zu flanieren und sich dabei vorzustellen, dass schon vor hunderten von Jahren Menschen durch sie gelaufen sind – teils mit Todesangst, weil sie unter dem Applaus des Publikums wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen werden sollten, teils mit dem Gefühl, in den robusten Mauern vor Angreifern geschützt zu sein. Denn die Arena gehörte im Mittelalter auch zur Stadtbefestigung.

Von Nîmes aus dauert es gut 1,5 Stunden bis nach Marseille, die Hauptstadt der Provence und der größte Hafen Frankreichs. Marseille ist die zweitgrößte Stadt des Landes und ist in Bezug auf seine Lebendigkeit schon fast mit Paris vergleichbar. Auch hier wird viel gebaut – rund um den Bahnhof und in der Innenstadt. Die Straßen sind eng, die Bevölkerung multikulturell. Im „Vieux Port“ (dem alten Hafen) liegen hunderte von schicken Yachten und Segelbooten, viele Blick auf MarseilleRestaurants bieten frische Muscheln mit Pommes Frites zu vergleichsweise günstigen Preisen an. Die Jugendherberge liegt ein ganzes Stück außerhalb des Stadtkerns. Mit Métro und Bus dauert es gut 45 Minuten. Die Herberge ist ein Flachdachbau, der von außen Erinnerungen an Halle-Neustadt aufflackern lässt. Drinnen ist es aber tatsächlich gemütlich, die Zimmer haben eigene Duschen und sind frisch renoviert. Und die Jugendherberge hat noch einen Vorteil: Sie ist nur noch einen Steinwurf vom Strand entfernt. Er ist kiesbedeckt und wenn es nicht regnet, ist es bestimmt schön hier. Über der Stadt auf einem der Ausläufer des Zentralmassivs liegt die Kathedrale von Notre Dame. Marseille liegt einem von hier oben zu Füßen und man hat einen eindrucksvollen Ausblick auf die Landschaft und das Meer.

Am Samstagabend, nachdem wieder mal eine kleine Regenwolke durchgezogen und es wieder eher Jackentemperatur ist, rauscht der TGV wieder aus Marseille in Richtung Paris ab. Um kurz nach halb Zwölf gleitet der Zug in den Gare de Lyon. Es ist spät am Abend, aber es ist noch immer schwül-warm. In Südfrankreich regnet es.

Mehr Fotos. 

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Regen und Meer

Posted by Julian Kanth on Apr 15 2007 | La vie parisienne, Reisen

Wo machen eigentlich die Regenwolken Urlaub? Wirklich interessiert hat mich diese Frage genau genommen nie; und ich habe deshalb auch niemals Energie verschwendet, mir Gedanken über die Antwort zu machen. Durch die vergangenen Tage weiß ich sie jetzt trotzdem – und sie ist denkbar einfach: Die Regenwolken machen dort Urlaub, wo es alle anderen auch machen: in Südfrankreich.

Während wahrscheinlich im kompletten Rest Frankreichs (und Europas) die Sonne geschienen hat, habe ich Montpellier, Nîmes und Marseille bei Regen kennengelernt. Nett war es trotzdem. Und außerdem scheinen die Wolken länger dort Urlaub zu machen als ich. Ein paar Fotos gibt es jetzt schon mal, Kinder, was war das schön

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Pariser Welten

Posted by Julian Kanth on Mrz 09 2007 | La vie parisienne, Leben, Reisen

Von China nach Nordafrika. In eineinhalb Stunden. Zu FuĂź. In Paris geht das. Es gibt wahrscheinlich keinen anderen Ort in Frankreich, an dem man die Auswirkungen des frĂĽheren Kolonialreiches mehr spĂĽrt als in der Hauptstadt. Menschen aus Afrika, Indochina, dem Mittleren Osten, der Karibik und dem SĂĽdpazifik leben heute hier.

Bellevill - alte und neue ArchitekturDer Spaziergang beginnt im Osten der Innenstadt an der Métro-Haltestelle Pyrénées. Der Stadtteil heißt Belleville. Der erste Blick auf die Gegend ist unspektakulär. Einige Schritte von der Mètro entfernt findet sich aber der „Parc de Belleville“ mitten in einem Wohnviertel und umgeben von einer Mischung aus alten und historischen Häusern (unter anderem dem Geburtshaus von Edith Piaf) und modernen Hochhäusern. Eine Oase. Der Park liegt auf einer Anhöhe. Viele Menschen sind nicht hier. Anders als zum Beispiel vor Sacre Coeur kann man deshalb von hier ganz ungestört und in Ruhe den Blick auf die Stadt genießen und sich einen Überblick verschaffen.

Exotische Gewürze aus aller WeltVon dort geht es einige Treppenstufen hinunter zum Boulevard de Belleville. Dort treffen zum ersten Mal wirklich merklich die Kulturen aufeinander. Auf dem Streifen in der Mitte des Boulevards findet regelmäßig ein Markt statt. Drumherum liegen China Restaurants, kleine arabische Läden und mediterrane Gewürzläden. Auch die Menschen sehen anders aus als in den touristischen Zentren: afrikanische Frauen präsentieren ihre prächtigen, bunten Gewänder und orthodoxe Juden tragen ihre Kippas.

Neben den Menschen sind vor allem die Geschäfte spannend. Betritt man sie, fühlt man sich an afrikanische Märkte erinnert. Säckeweise stehen hier Curry, Mais oder Mehl. In den Straßen rund um den Gare de l’est erfüllt der Geruch nach genau diesen Gewürzen sogar die Luft. Bei Straßenhändlern gibt es exotische Gemüsesorten und farbenfrohe Obstauslagen. In dieser Gegend haben sich vor allem Pakistaner, Inder und Türken niedergelassen.

Passage BradyDer „Lonely Planet“ empfiehlt die „Passage Brady“ für eine kleine Pause. Das Gebäude ist fast 200 Jahre alt. Früher waren vor allem Boutiquen hier. Heute werben zahlreiche kleine Restaurants um die Kunden. Die Preise sind für Pariser Verhältnisse sehr erträglich: die „Plat de Jour“ (also das Tagesgericht) gibt es ab 5 Euro.

Von dort ist es nicht mehr weit bis in das afrikanische Viertel – den Stadtteil, in dem Menschen aus Kamerun, Marokko oder dem Senegal wohnen. An der Métro-Station werden Zigarettenpackungen und Telefonkarten verkauft. In den Seitenstraßen sind wieder Stände aufgebaut. Ob Tee, Fisch, Wurzeln oder Auberginen – hier scheint es wirklich fast alles zu geben.

Ein solcher Spaziergang rund um die Welt ist in Paris keine zehn Kilometer lang. Auf diesen zehn Kilometern taucht man permanent in neue Welten ein. Es wird schnell klar: hier treffen viele Menschen aus sehr unterschiedlichen Erdteilen und sehr verschiedenen Kulturen aufeinander. Und genau daraus erwächst wahrscheinlich auch der Charme dieser Stadt – und den kann man tatsächlich am besten erkennen, wenn man sich Paris “erläuft”.

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