Archive for the 'Studieren' Category

PrĂĽfungszeit

Posted by Julian Kanth on Jun 12 2007 | La vie parisienne, Studieren

Am Anfang waren die Zweifel, oder besser: die Überzeugung, dass das mit Prüfungen in Paris nichts werden wird. Neben vielen anderen Dingen, die ich mir in den Monaten vor der Abreise nach Frankreich eingeredet habe, um die Erwartungshaltung zu senken, gehörte auch das Abbügeln von Gedanken an Leistungsscheine dazu.

Die Arbeit an der Uni (oder vielleicht auch nur an der Juristen-Fakultät in Nanterre, an die die Politikwissenschaft angegliedert ist?) ist hier insgesamt etwas anders als in Deutschland: An Stelle von Seminaren gibt es Vorlesungen und an Stelle von Vorlesungen gibt es, genau, auch Vorlesungen. Theoretisch gibt es noch einige ganz wenige "Seminare", aber das kam für mich am Anfang des Semesters auf keinen Fall in Frage. Entsprechend also statt Seminaren viel still sitzen, insbesondere bei der Veranstaltung am Freitagabend, die drei Stunden am Stück ging.

Genau wie die Arbeit an der Uni ist entsprechend auch die „Leistungserbringung“ etwas anders geregelt. Entweder man schreibt eine Klausur oder macht eine mündliche Prüfung. Ich habe mich im Zweifelsfall für die Variante „mündliche Prüfung“ entschieden – was ebenfalls am Anfang des Semesters aufgrund der Sprachkenntnisse noch undenkbar war.

Offenbar ist der Ablauf dieser Prüfungen nicht standardisiert und vom Professor abhängig. Eine Prüfung hat bei mir so ungefähr 35 Minuten gedauert, mit Referat am Anfang und Fragen im Anschluss, eine andere vielleicht knapp über 10 Minuten mit einer sehr offenen Frage am Anfang und ein paar Detailfragen im Anschluss.

Das habe ich seit heute Vormittag nun alles hinter mir und so kann ich mich nach dem minimalen arbeitsökonomischen Lernen der vergangenen Tage wieder auf das Wesentliche konzentrieren: die letzten Tage in Paris!

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Streik oder nicht Streik!?

Posted by Julian Kanth on Mai 10 2007 | La vie parisienne, Leben, Studieren

Ein bisschen musste ich gestern Abend schmunzeln: Das Radio meldete, dass die Studenten der Université Paris I (Panthéon-Sorbonne) auf einer Generalversammlung einen Streik beschlossen haben. Sie wollten schon mal im Voraus protestieren gegen verschiedene Ideen des neuen Präsidenten Nicolas Sarkozy, die Hochschulen im Land zu reformieren. In Gedanken habe ich daraufhin schon mal einen Countdown begonnen: „3…2…1, Streik auch in Nanterre“. Denn was die Studenten im Stadtzentrum können, das können die Studenten an Nanterre-la-Rouge doch auch!

Vollversammlung (mit Handy-Kamera)Und heute Morgen sah es dann tatsächlich so aus, als sei meine Vorahnung gar nicht so falsch gewesen: Am Ausgang der Métro-Haltestelle Nanterre-Université verteilten Studenten Flyer mit einer Einladung zu einer „Assemblée Générale“ am Mittag. Da es in Frankreich keine gesetzlich geregelte studentische Mitbestimmung gibt, war das Flugblatt unterzeichnet von der Studentengewerkschaft UNEF. Und diese Gewerkschaft hat durchaus einige Macht: Im vergangenen Jahr hat sie zusammen mit anderen Organisationen Proteste organisiert und damit ein Gesetz zur Verlängerung der Probezeit für Berufseinsteiger (CEP) verhindert.

Mit „Sarkozy élu, Tous dans la rue!“ (Sarkozy gewählt, alle auf die Straßen) war das Flugblatt überschrieben. Der Text war von der Sprache her eher polemisch gehalten und kritisierte Wahlkampfpläne von Sarkozy, die auf eine Privatisierung der Universitäten hinausliefen. Am Ende stand der Hinweis: „À Tolbiac (Paris 1), 1000 étudiants ont déjà voté la grève!" (An der Universität Tolbiac haben bereits 1.000 Studenten für den Streik gestimmt).

Als ich gegen 12.30 Uhr im Versammlungsraum DD ankam, waren schon alle Plätze restlos besetzt und auch die meisten Gänge durch Studenten, Reporter und Kamerateams versperrt. Durch die schlechte Lautsprecheranlage drangen Parolen. Immerhin schien prinzipiell jeder, der etwas sagen wollte, Rederecht zu haben.

Vollversammlung in NanterreVon dem, was die einzelnen Redner gesagt haben, habe ich allerdings nur Bruchstücke verstanden. Im Kern standen sich aber offenbar Befürworter des Streiks und Studenten, die gerne in den nächsten Wochen ihre Prüfungen ablegen wollten, gegenüber – dabei wurden die Parolen von dem Flugblatt wiederholt aber auch Argumente vorgebracht wie „Sarkozy ist demokratisch gewählt, akzeptiert das!“ Entsprechend war die Diskussion sehr lebhaft, „Buh“-Rufe und Applaus vermischten sich fast permanent.

Nach gut einer halben Stunde bin ich gegangen, die Eindrücke waren genug. Inzwischen weiß ich, dass die Diskussion noch gut 2 ½ Stunden weiterging, und sich am Ende offenbar die durchgesetzt haben, die ihre Prüfungen ablegen wollten. Einen Streik in Nanterre wird es jedenfalls vorerst nicht geben. Auch an der Fakultät Tolbiac kann ab morgen wieder studiert werden – auf Beschluss einer neuen Vollversammlung.

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Im Zentrum der Revolution

Posted by Julian Kanth on Apr 26 2007 | La vie parisienne, Snapped, Studieren

„Sarkozy: pourquoi il est dangereux“ steht auf einem Flugblatt, dass ich heute Vormittag an der RER-Haltestelle der Uni in die Hand gedrückt bekommen habe. Fast jeden Tag stehen Studenten an der Rampe zur RER und verteilen Zettel, manchmal Werbung meistens aber mit politischen Manifesten oder Einladungen zu Solidaritätskundgebungen. Ein paar Schritte weiter am Eingang zum Campus hängt ein handgemaltes Banner: Das „Festival antifasciste“ wird darauf angekündigt.

Solidaritäts-AufrufWenn man sich im französischen Wikipedia anschaut, welche politischen Gruppen es an der Uni in Nanterre gibt, verschwinden jegliche Zweifel an der politischen Ausrichtung der Studentenschaft: Das Spektrum reicht von den „jeunes communiste Révolutionaire“, über die „Parti comuniste marxiste-léniniste de France“ bis zur „Parti Communiste“.

Auch wenn man in der Vergangenheit schaut, werden die revolutionären Wurzeln der Universität Nanterre deutlich: Im Frühjahr 1968 besetzten Studenten verschiedener politischer Richtungen Verwaltungsgebäude und Wohnheime in Nanterre. Die Proteste – bei denen es zunächst unter anderem um hochschulpolitische Ziele ging – weiteten sich in den darauffolgenden Wochen aus und erfassten schließlich ganz Frankreich und mündeten in einem wochenlangen Generalstreik.

Neben heute prominenten linken Politikern wie Daniel Cohn-Bendit, Oliver Besancenot (Präsidentschaftskandidat der kommunistischen Partei) oder auch Philosophen wie Jean Baudrillard und Étienne Balibar hat auch der rechts-konservative Präsidentschaftsanwärter Nicolas Sarkozy ein paar Jahre seines Lebens an „Nanterre la rouge“ verbracht.

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Der Kampf der Bibliotheken

Posted by Julian Kanth on Mrz 15 2007 | La vie parisienne, Studieren

So richtig praktisch sind die Pariser Bibliotheken nicht. Irgendwie haben sie alle ihre Tücken.BnF - ein bisschen schummerig ist’s Es fängt an mit der Bibliotheque Universitaire in Nanterre. Die Räume sind groß, geräumig und hell. Besonders angenehm ist das W-LAN, das schnellen Internetzugang garantiert. Dagegen ist allerdings nicht für viele Steckdosen gesorgt. Das markante Detail in Nanterre scheint aber die Arbeitskultur zu sein: lautstarke Diskussionen sind nicht selten.

Im Centre Pompidou ist das etwas anders. Dort ist neben den Ausstellungen von moderner Kunst auch eine Bibliothek. Steckdosen gibt es hier genug. Auch ein kostenloses W-LAN wird angeboten – allerdings nur 1,5 Stunden, dann wird die Verbindung getrennt. Im Pompidou sind die Räume gigantisch groß – genaugenommen sind es zwei gigantisch große Räume mit endlos langen Tischreihen. Das hat ein bisschen was vom Flair einer Fabrikhalle mit Fließbändern – aber dafür ist es erstaunlich ruhig. Ein bisschen nervig ist die permanente Warteschlange am Eingang; die wird nämlich erst am späten Nachmittag etwas kürzer.

BnF - Innenhof und einer der vier TürmeAm nobelsten ist die Nationalbibliothek Francois Mitterand. Der schicke moderne Bau befindet sich ein bisschen abseits der Stadtmitte im Südwesten. Alles ist neu dort – irgendwie auch das ganze Stadtviertel drum herum. In den Lesesälen ist es ein wenig duster, weil Holzwände vor den Fenstern die Bücher vor dem Tageslicht schützen sollen. Jeder Arbeitsplatz ist geräumig und hat – ja, sehr praktisch – eine Steckdose. Und es ist ruhig. Sehr ruhig. Dafür gibt es kein W-LAN. Und die BnF hat noch einen Nachteil: Sie kostet Eintritt! 3,30 Euro pro Tag. Für 18 Euro gibt es für Studenten eine Jahreskarte.

Eines haben aber alle Bibliotheken gemeinsam: Während in Halle beispielsweise das Juridicum oder die Franckeschen Stiftungen bis spät am Abend geöffnet sind, geht im Centre Pompidou (und das ist die Bibliothek, die am längsten offen hat) schon um 22 Uhr das Licht aus. Aber das hat vermutlich auch ganz praktische Gründe – denn tief in der Nacht kommt man mit den Métros ja auch nicht nach Hause. Übrigens arbeite ich am liebsten im Centre Pompidou (gerade weil man zumindest bis halbwegs spät dort bleiben kann). Und weil ich mir eine Jahreskarte gekauft habe, fahre ich zwischendurch auch regelmäßig in die BnF.

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Studieren mit zunehmendem Plan

Posted by Julian Kanth on Feb 14 2007 | La vie parisienne, Studieren

Es ist im Grunde so: Jeden Tag erfahre ich neue Dinge darĂĽber, wie ich meinen Stundenplan gestalten kann oder was noch alles drin stehen sollte. Mein Plan ist deshalb noch sehr in Bewegung. Und eigentlich kann man bis jetzt von einem richtigen Plan noch nicht reden – das Wort “Notizen” trifft da eher zu.

Diese “Notizen” machen das Studienleben (ihrer Natur nach) nur ĂĽberschaubar einfacher. Denn was zum Beispiel die Sprachkurse betrifft, habe ich mir vergangene Woche nur sehr undurchsichtiges aufgeschrieben. Die Raumnummer fĂĽr den Kurs “Laboratorium” stand irgendwo zwischen den Zeilen und ohne weiteren Kommentar. Dadurch dauert alles etwas länger.

Ansonsten verdichten sich meine Notizen auf im Kern zwei Pläne: einen idealistischen- und einen realistischen Plan. In dem idealistischen Plan stehen die Kurse, die ich machen könnte. In dem Realistischen sind die vermerkt, die ich machen sollte.

Das bemerkenswerteste an beiden Versionen des Plans ist: Ich habe donnerstags um 8.30 Uhr Uni (ich kann mich nicht erinnern, wann ich mir solch einen SpaĂź in Deutschland das letzte Mal gegeben habe). Das bedeutet im Klartext: Ich muss spätestens um 7.30 Uhr aus dem Haus. Eine Stunde brauche ich nämlich normalerweise mindestens, bevor mich eine der zahlreichen MĂ©tros und RERs zusammen mit vielen anderen Menschen an der Station “Nanterre UniversitĂ©” wieder ausspuckt.

Die übrigens Kurse gruppieren sich um insgesamt sieben Zeitstunden Sprachkurse: mündlich, schriftlich und Aussprache. Und dann kommen eben noch die Politik-Kurse über politische Ideologien, das Regierungssystem der USA (Freitagabend!) und politische Gemeinschaften wie die Europäische Union.

Wenn ich abends zu Hause bin, bin ich meist total kaputt. Das Erasmus-Leben hatte ich mir anders vorgestellt. Mal sehen, wie sich der Plan zwischen idealistisch und realistisch einpendelt; waren ja erst drei Tage Uni.

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