Archive for April, 2006

Karneval

Posted by Julian Kanth on Apr 30 2006 | Leben, Neues aus Namibia

Es ist schon etwas paradox. In Deutschland habe ich mich nie wirklich mit Karneval beschäftigt – Ok, mal abgesehen vom Kamellesammeln beim Rosenmontagsumzug in meiner Grundschulzeit. Nun bin ich in Namibia – rund 14 Flugstunden von Deutschland entfernt – und habe das volle Karnevalsprogramm miterlebt. Kamen Prinzengarde, Funkenmariechen, Elferrat und Büttenabend in meinem Wortschatz nicht vor, sind sie jetzt fester Bestandteil geworden.

Das neue Prinzenpaar erhaelt vom Buergermeister den Schluessel zur StadtMit dem Biwak, über das ich vor ein paar Wochen ja schon berichtet habe, hat der Karneval in Windhoek angefangen. Die Narrenzeit ist hier anders als in Deutschland erst Ende April. Mein Reiseführer hat mir verraten, dass das vor allem mit dem Wetter zusammenhängt. Zur deutschen Narrenzeit ist es hier nämlich Hochsommer und extrem heiß. Das ganze Programm – die WiKa-Woche (Windhoeker Karneval) – dauert zehn Tage.

Freitag vor einer Woche war der Prinzenball, das ist eines von diesen Events, die ich bisher wenn überhaupt maximal vom Durch- und gleich Weiterzappen im Fernsehen kannte. Die Prinzengarde hat getanzt, das alte Prinzenpaar ist abgetreten und Prinz Rolf, der Ballermann und Kerstin, die Therapierende haben das Zepter übernommen. Dazu gab es – wie sollte es auch anders sein – den Prinzensekt und das Wika-Bier, dass die Namibia Breweries eigens für den Karneval gebraut haben – und beides natürlich in guten Mengen. Und weil diese Standardsachen nicht genug waren, kamen auch Springbockis – fiese Mixschnäpse, die sehr süß schmecken – noch oben drauf. Das Ganze war dann eine Mischung, die mich am Ende des Abends ordentlich ins Schunkeln und Schwanken gebracht hat.

KarnevalsumzugAm nächsten Morgen, am Samstag, hieß es dann früh (8 Uhr – und das ist, wenn man die Nacht über lange weg war, schon sehr früh) aufstehen. Das hat sogar – für mich überraschend gut – geklappt. Live-Übertragung vom Karnevalsumzug auf der Independence Avenue, der Hauptsstraße in Windhoek. Der Karnevalsumzug an sich ist, wie ein Karnevalsumzug sein sollte, 38 Wagen, bunt geschmückt, wieder viel Alkohol und Menschen, die Bonbons in die Menge schmeißen. Das bemerkenswerteste an der Parade war für mich allerdings das Wetter. Aus dem Fernsehen kannte ich vor allem Karnevalsumzüge bei schlechtem Wetter – typisches deutsche Februarwetter eben, Regen, kalt und so. Hier bin ich in T-Shirt rum gelaufen, der Himmel strahlend blau, dazu und links und rechts der Hauptstraße tausende von Menschen – einige hatten sich sogar einen Grill mitgebracht. Diese Bilder haben mich eher an die Tour-de-France als an einen Karnevalsumzug erinnert.

BuettenredeDie Narrentage gingen dann mit den Büttenabenden weiter. Erst der Internationale- dann der deutsche Büttenabend. Ich habe selbstverständlich beide mitgemacht. Beim Internationalen Büttenabend waren total unterschiedliche Menschen da und auch die Sprachen waren dementsprechend sehr gemischt, ein kleines bisschen Deutsch – für das Karnevalsvokabular zum Beispiel – eine Büttenrede auf Englisch und dann die zweite Hälfte der Party nur noch auf Afrikaans. Das war dann ein bisschen der Nachteil für mich, weil, na ja, ich kann nun mal kein Afrikaans. Zu Essen gab es Eisbein mit Kartoffeln und Sauerkraut – übrigens für mich eine weitere Premiere. Am Donnerstagabend kam dann noch der Deutsche Büttenabend hinterher – da habe ich dann – Überraschung – alle Kalauer verstanden (mal abgesehen von einigen regionalen Insidergags). Büttengastreder aus Mainz waren dabei, aus Pretoria und von anderen Karnevalsclubs in Namibia. Um die Musik haben sich die “Wikaphoniker”, die Windhoeker Karnevalsband und – aus Köln eingeflogen – “De Räuber” gekümmert.

KarnevalsfinaleEigentlich wären noch der Maskenball, der Jugendkarneval und der Kehraus hinterhergekommen – aber das ging nun gar nicht mehr. Denn nach den Partys am Abend musste ich IMMER am nächsten Tag arbeiten und außer regungslos auf dem Bett liegen ist im Moment einfach nicht mehr drin. Außerdem braucht auch meine Leber eine kleine Auszeit, die ist ja diese Alkoholmengen auch nicht so gewohnt.

Ich habe beim Karneval Spaß gehabt. Den Karneval in Halle werde ich mir in Zukunft trotzdem nicht geben – die TV-Halle-Übertragung des halleschen Rosenmontagsumzug war einfach zu abschreckend – und das Wetter ist ja immer so schlecht.

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Gazza

Posted by Julian Kanth on Apr 26 2006 | NBC

Er gilt als einer der erfolgreichsten Künstler aus Namibia, im vergangenen Jahr hat er so viele Platten hier verkauft, wie keiner sonst. Die Rede ist von Gazza, einem namibischen Künstler. Seine Musik ist vom südafrikanischen Kwaito beeinflusst, auch Rap und Reggae-Musik fließen in seine Stücke ein. Kollegin Natascha sagt: “Der ist so süß.”

Gazza und Julian (thanks Maike)Er hat sich Zeit für ein Interview beim Deutschen Hörfunk genommen, am nächsten Tag wird er zu seiner ersten großen Tour aufbrechen. Er ist ein sehr sympathischer und bescheidener Kerl. Das Interview machen wir in “Wissen ist Macht”, das passt zwar nicht so hundertprozentig in das Konzept der Sendung, aber für mich ein geeigneter Zeitpunkt, einmal einen Haufen Fragen zu stellen. In den 60 Minuten Sendezeit bleibt deshalb auch effektiv nur Zeit für zwei Musikstücke – ein sehr intensives Interview also. Selbst Gazza sagt, die Fragen brächten ihn zum Nachdenken. Er erzählt von den Nachteilen des Starseins in Namibia, die Menschen würden ihn auf der Straße erkennen, sagt er. Der Vorteil sei aber, so Gazza, das er in einigen Behörden schneller rankomme und in der Bank nicht in der Schlange stehen müsse.

Gazza beim InterviewGazza spricht nur Englisch. Deshalb muss Kollegin Naita für die Hörer übersetzen, so kann ich mich aufs Fragenstellen konzentrieren. Als ich nach der Sendung über das Interview nachdenke, fällt mir auf, dass wir die Hörer ganz schön gefordert haben – mit einem Wortblock, mitten am Nachmittag, von fast 45 Minuten.

Mir steht im Anschluss noch eine Sendung bevor – das Karussell. Das wäre auch an sich gar kein Problem, allerdings ist die Klimaanlage seit drei Tagen ausgefallen und im Studio ist es extrem warm und Frischluft kommt auch nicht herein. Das ist übrigens, wie mir erzählt wird, auch so eine typische NBC-Geschichte. Die Anlage hätte vor einigen Jahren mal ordentlich gewartet werden müssen, denn jetzt gibt es keine Ersatzteile mehr. Ähnlich sieht es mit dem Computer-Netzwerk aus. Entweder funktioniert der Login nicht, der Drucker will nicht drucken oder der Zugriff auf Netzwerkordner ist nicht möglich. Das ist für mich zwar eine interessante Erfahrung, für die Kollegen allerdings eine Dauerbelastung.

Mehr Informationen zu Gazza: http://www.gazza.com.na

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Ausfall

Posted by Julian Kanth on Apr 25 2006 | Allgemein

Langsam werde ich etwas ungeduldig, was den Server betrifft. Seit Donnerstag gab es Probleme mit der Datenbank und mein Webhoster hat sich auch bequem Zeit genommen, auf Emails zu reagieren und das Problem zu beheben. Nun drücke ich die Daumen, dass das es einen solchen langfristigen Ausfall nicht ein drittes Mal gibt.

Jetzt bin ich natürlich etwas aus dem Tritt geraten und werde in den nächsten Tagen erstmal etwas nacharbeiten was meine Erlebnisse hier in Namibia betrifft.

Eben war ich in einem Elektronik-Discount-Laden und habe mir eine neue Digitalkamera gekauft. Meine alte hat ja unschönerweise den Wüstenausflug vom Osterwochenende nicht überlebt. Um die Kamera zu reparieren, hätte ich sie nach Johannesburg schicken müssen. Wer weiss, wie lange das gedauert hätte und wie teuer das geworden wäre. Nun habe ich eine Neue und kann wieder ordentlich fotografieren.

In den nächsten Tagen ist hier noch Karneval, am Wochenende waren Prinzenball, Karnevalsumzug und Kinderkarneval, morgen und übermorgen sind noch deutscher und internationaler Büttenabend und da bin ich natürlich auch dabei. Wenn alles am Freitag durch ist, schreibe ich dann selbstverständlich auch noch eine Zusammenfassung.

Am Wochenende fahre ich mit einem NBC-Techniker in sein Heimatdorf. Er ist Herero. In dem Dorf ist irgendein Fest und wir werden wohl auch eine Nacht dort bleiben. Das wird bestimmt auch sehr spannend. Auch über das Wochenende werde ich natürlich dann an dieser Stelle schreiben – es sei denn, der Server verhindert es wieder. Hoffentlich nicht. Toi, toi, toi!

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Abenteueressen

Posted by Julian Kanth on Apr 18 2006 | Leben, Neues aus Namibia

Ostersonntag. Zusammen mit vier anderen aus der “Dunes Deluxe”-Tour habe ich mich zum Essen verabredet. Im “La Marmite”, einem Restaurant, in dem es auch traditionelles afrikanisches Essen gibt. Nicht alle haben Zeit, mitzukommen. Die Beiden aus Amsterdam sind schon am Nachmittag in Richtung Kapstadt abgereist, das Pärchen aus London muss noch einiges vorbereiten, weil sie am nächsten Morgen früh zur nächsten Tour in den Etosha Nationalpark aufbrechen. Also bleiben noch Federico aus Italien – er lehrt italienisch an der Universität in Kapstadt -, Alisa aus den USA, die in Kapstadt bei einer NGO arbeitet und auch noch einen Reisebericht über die Wüstentour schreiben will, Katrina aus Neuseeland, die in Johannesburg arbeitet, Melinda aus Australien, die Katrina in Südafrika besucht und ich.

Wir einigen uns darauf, einfach mehrere Gerichte zu bestellen und die Teller in die Mitte zu stellen, so dass jeder ein bisschen was probieren kann. Orex-Antilope, Kuskus, Fisch, Pommes, Reis und Würmer. Ich muss gestehen, den genauen Namen der Würmer habe ich inzwischen schon wieder vergessen. Sie sehen nicht sehr lecker aus. Die Würmer ähneln einem normalen, durchschnittlichen Regenwurm, sie sind allerdings nicht so lang und etwas dicker. Sie werden gebraten, so werden sie kross und dann werden sie noch ordentlich gewürzt. Wenn man nicht zu genau darüber nachdenkt, was man gerade isst, kann man sie sogar herunterschlucken. Und eigentlich schmecken sie nach nichts. Das Gewürz überdeckt alles. Der Panzer knirscht etwas zwischen den Zähnen, aber das ist eigentlich auch schon das einzig wirklich bemerkenswerte an dieser namibischen Spezialität.

Nach dem Essen wollen wir noch etwas Trinken gehen. Da keiner so richtig eine gute Idee hat, wo wir hingehen sollen, entschließen wir uns Federico hinterherzulaufen, der in der Nähe schon mal in einem Club war. Als wir da ankommen, sind wir die einzigen Gäste und gehen gleich wieder. Wir steigen also in ein Taxi ein, sagen dem Fahrer, dass wir eine nette Bar suchen. Der Taxifahrer weiss nicht so recht, wohin er uns fahren soll. Wir einigen uns auf “El Cubano”, das ist auch eine nette Bar, habe ich mir sagen lassen, selbst da war ich allerdings noch nicht. Den Straßennamen, den wir ihm nennen, kennt er nicht, deshalb irren wir etwas durch Windhoek. Das “El Cubano”, das wir nach einigem Suchen finden, hat geschlossen. Deshalb entschließen wir uns, doch in die Chameleons Backpackers Lodge zu fahren. Das ist auch die Firma, die die Wüstentour organisiert hat. Dort übernachtet Alisa und dort gibt es eine Bar. Der Taxifahrer kennt den Weg dorthin zwar auch nicht, aber dorthin können wir ihn leiten.

Taxifahren in Windhoek ist an sich ziemlich spannend. Die meisten Taxifahrer fahren auf eigene Rechnung mit eigenen Autos. Meistens sind es Autos, die in Deutschland vermutlich schon lange vom TÜV aus dem Verkehr gezogen worden wären, aber in Namibia fahren sie eben noch und erfüllen ihren Zweck – für 6 Namibia Dollar tagsüber und 12 Namibia Dollar nachts kann man sich auch definitiv nicht beschweren. Aber weil die meisten eben keine professionellen Taxifahrer sind, kennen sie sich meistens nicht aus. Deshalb kann ein bisschen Ortskenntnis nicht schaden, wenn man mit diesen günstigen Taxis fährt.

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Wüstenbilder

Posted by Julian Kanth on Apr 17 2006 | Neues aus Namibia, Touren

Nachdem ich ein neues Plugin auf dem Server installiert habe, kann ich jetzt auch ganze Bildergalerien hier im Weblog bereitstellen. Deshalb folgen hier etwas verspätet ein paar Bilder von dem Sossusvlei-Trip mit atemberaubenden Dünenbildern. 

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