Karneval
Es ist schon etwas paradox. In Deutschland habe ich mich nie wirklich mit Karneval beschäftigt – Ok, mal abgesehen vom Kamellesammeln beim Rosenmontagsumzug in meiner Grundschulzeit. Nun bin ich in Namibia – rund 14 Flugstunden von Deutschland entfernt – und habe das volle Karnevalsprogramm miterlebt. Kamen Prinzengarde, Funkenmariechen, Elferrat und Büttenabend in meinem Wortschatz nicht vor, sind sie jetzt fester Bestandteil geworden.
Mit dem Biwak, über das ich vor ein paar Wochen ja schon berichtet habe, hat der Karneval in Windhoek angefangen. Die Narrenzeit ist hier anders als in Deutschland erst Ende April. Mein Reiseführer hat mir verraten, dass das vor allem mit dem Wetter zusammenhängt. Zur deutschen Narrenzeit ist es hier nämlich Hochsommer und extrem heiß. Das ganze Programm – die WiKa-Woche (Windhoeker Karneval) – dauert zehn Tage.
Freitag vor einer Woche war der Prinzenball, das ist eines von diesen Events, die ich bisher wenn überhaupt maximal vom Durch- und gleich Weiterzappen im Fernsehen kannte. Die Prinzengarde hat getanzt, das alte Prinzenpaar ist abgetreten und Prinz Rolf, der Ballermann und Kerstin, die Therapierende haben das Zepter übernommen. Dazu gab es – wie sollte es auch anders sein – den Prinzensekt und das Wika-Bier, dass die Namibia Breweries eigens für den Karneval gebraut haben – und beides natürlich in guten Mengen. Und weil diese Standardsachen nicht genug waren, kamen auch Springbockis – fiese Mixschnäpse, die sehr süß schmecken – noch oben drauf. Das Ganze war dann eine Mischung, die mich am Ende des Abends ordentlich ins Schunkeln und Schwanken gebracht hat.
Am nächsten Morgen, am Samstag, hieß es dann früh (8 Uhr – und das ist, wenn man die Nacht über lange weg war, schon sehr früh) aufstehen. Das hat sogar – für mich überraschend gut – geklappt. Live-Übertragung vom Karnevalsumzug auf der Independence Avenue, der Hauptsstraße in Windhoek. Der Karnevalsumzug an sich ist, wie ein Karnevalsumzug sein sollte, 38 Wagen, bunt geschmückt, wieder viel Alkohol und Menschen, die Bonbons in die Menge schmeißen. Das bemerkenswerteste an der Parade war für mich allerdings das Wetter. Aus dem Fernsehen kannte ich vor allem Karnevalsumzüge bei schlechtem Wetter – typisches deutsche Februarwetter eben, Regen, kalt und so. Hier bin ich in T-Shirt rum gelaufen, der Himmel strahlend blau, dazu und links und rechts der Hauptstraße tausende von Menschen – einige hatten sich sogar einen Grill mitgebracht. Diese Bilder haben mich eher an die Tour-de-France als an einen Karnevalsumzug erinnert.
Die Narrentage gingen dann mit den Büttenabenden weiter. Erst der Internationale- dann der deutsche Büttenabend. Ich habe selbstverständlich beide mitgemacht. Beim Internationalen Büttenabend waren total unterschiedliche Menschen da und auch die Sprachen waren dementsprechend sehr gemischt, ein kleines bisschen Deutsch – für das Karnevalsvokabular zum Beispiel – eine Büttenrede auf Englisch und dann die zweite Hälfte der Party nur noch auf Afrikaans. Das war dann ein bisschen der Nachteil für mich, weil, na ja, ich kann nun mal kein Afrikaans. Zu Essen gab es Eisbein mit Kartoffeln und Sauerkraut – übrigens für mich eine weitere Premiere. Am Donnerstagabend kam dann noch der Deutsche Büttenabend hinterher – da habe ich dann – Überraschung – alle Kalauer verstanden (mal abgesehen von einigen regionalen Insidergags). Büttengastreder aus Mainz waren dabei, aus Pretoria und von anderen Karnevalsclubs in Namibia. Um die Musik haben sich die “Wikaphoniker”, die Windhoeker Karnevalsband und – aus Köln eingeflogen – “De Räuber” gekümmert.
Eigentlich wären noch der Maskenball, der Jugendkarneval und der Kehraus hinterhergekommen – aber das ging nun gar nicht mehr. Denn nach den Partys am Abend musste ich IMMER am nächsten Tag arbeiten und außer regungslos auf dem Bett liegen ist im Moment einfach nicht mehr drin. Außerdem braucht auch meine Leber eine kleine Auszeit, die ist ja diese Alkoholmengen auch nicht so gewohnt.
Ich habe beim Karneval Spaß gehabt. Den Karneval in Halle werde ich mir in Zukunft trotzdem nicht geben – die TV-Halle-Übertragung des halleschen Rosenmontagsumzug war einfach zu abschreckend – und das Wetter ist ja immer so schlecht.

































































