Archive for Februar, 2007

Exkurs

Posted by Julian Kanth on Feb 25 2007 | La vie parisienne, Leben, Snapped

Ein kleiner Seitenhieb aus dem Lonely Planet Cityguide Paris:

“Many French people traditionally semmed to feel that ‘going Dutch’ (ie splitting the bill) at restaurants was an uncivilised custom, and in general the person who did the inviting would pay for the meal. That may still happen but nowadays close friends nd colleagues will usually share the cost equally. They still never calculate it down to the last euro and cent, however, the way some Americans and most Germans and Austrians seem to do in groups.”

    (Hervorhebung durch mich; Fallon, Steve: Lonely Planet Cityguide Paris, Oakland et al: 2004, 151; inzwischen gibt es auch eine deutsche Version)

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    Métro Nightlife

    Posted by Julian Kanth on Feb 24 2007 | La vie parisienne, Leben

    Es ist im Zweifelsfall eine kompromisslose Entscheidung: entweder ganz oder gar nicht – Party bis zum Morgengrauen oder früh nach Hause gehen und schlafen. Anders als in deutschen Metropolen wie Berlin (oder Halle) fahren nämlich in Paris die Bahnen nicht durch. Konkret bedeutet das, ein echtes „Métro Nightlife“ gibt es nicht. Eher ist es so, dass die Métro einen das Nightlife ausleben lässt (oder eben auch nicht). Die letzte Bahn am Abend fährt gegen 1 Uhr. Das heißt, spätestens gegen 0.30 Uhr muss man entscheiden: ganz oder gar nicht; halte ich die Nacht durch oder gehe ich besser jetzt nach Hause. Die nächste Bahn, die erste am frühen Morgen, fährt erst frühestens nach 5 Uhr.

    Und die Alternativen sind auch eher überschaubar. Es gibt – wie in jeder Metropole – Nachtbusse. Nachtbusse haben aber meist tendenziell das Problem, dass sie zum einen ziemlich lange unterwegs sind und zum anderen häufig an ganz ungewöhnlichen Orten abfahren. Die zweite Variante, um zum Beispiel zu einer netten Medium-Zeit wie gegen 3 Uhr eine Party zu verlassen, ist das Taxi. Doch realistisch ist auch sie nicht. Denn Taxis sind in Paris im Zweifelsfall très cher (das unterstelle ich an dieser Stelle einfach mal ganz unjournalistisch, heißt, ohne es bisher nachgeprüft zu haben).

    Bleiben oder gehen – bei Eintrittspreisen von um die 15 Euro für die Disco muss man sich das also sehr genau überlegen. Auch wenn ich eigentlich nicht so extrem gerne der letzte auf einer Party bin: Bei diesen Eintrittpreisen läuft es eher auf „bleiben“ hinaus; die Investition muss sich ja lohnen – wie gestern zum Beispiel.

    Métro-Nightlife: Transfertunnel Auber-St. LazareWir waren auf einer Fakultätsparty der Universität Paris-Sud. Paris ist groß, und der Süden ist (von Clichy aus gesehen) am anderen Ende der Stadt – mit der Bahn im Idealfall etwas mehr als eine Stunde Fahrtzeit – mitten auf dem Acker (für Pariser Verhältnisse). 15 Euro Eintritt, Freibier, bis das Fass leer ist – also eher „bleiben“. Die erste Bahn (hier die RER B) von dort aus zurück fährt um 5.09 Uhr.

    Es ist allerdings erstaunlich, wie viel am frühen Morgen bereits in den Stationen los ist, wie viele Menschen unterwegs sind. Denn an den zentralen Umsteigestationen drängen sich auch in die erste Bahn des Tages schon die Menschen; und die meisten sehen nicht aus, als seien sie einfach irgendwo „geblieben“ (ich bitte an dieser Stelle die etwas einseitige Sichtweise des Erasmus-Studenten zu entschuldigen). In einigen Verbindungstunneln ist es trotzdem ruhig und einsam; an der Station „Auber“ gegen kurz vor 6 Uhr roch es heute früh leicht chemisch-frisch, der Boden war gewischt, alle Geschäfte noch geschlossen – das scheint das „Métro Nightlife“ zu sein.

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    Avantageaux? Qu’est-ce que ce?

    Posted by Julian Kanth on Feb 17 2007 | La vie parisienne, Leben

    Aus der Rubrik “Kassenzettel around the globe” nach Simbabwe heute: Paris

    Paris est très cher

    Wenn es ein Wort gibt, das man in Paris nicht lernt, dann ist es “gĂĽnstig”. Ich habe es gerade extra mal nachgeschlagen. Das Wörterbuch sagt “avantageaux” – das habe ich wirklich noch nie gehört. Im Zweifelsfall ist Paris nämlich “très cher” – sehr teuer.Das fängt bei den Mieten an. Ich möchte lieber nicht darĂĽber nachdenken, was fĂĽr eine Luxus-Wohnung ich in Halle fĂĽr den Preis meines Pariser-Zimmers bekommen wĂĽrde. Aber gut: Halle ist nicht Paris. Eine Mètro-Monatskarte (”Carte Orange”) fĂĽr drei Zonen (die man zum Beispiel bis Nanterre braucht) kostet fast 80 Euro.

    Heute bin ich mit ein paar anderen Erasmus-Studenten auf Stadt-Erkundungs-Tour gewesen. Es war gar nicht so einfach, ein gĂĽnstiges CafĂ© zu finden. Wobei heute erschwerend dazu kam, dass das Wetter sehr frĂĽhlingshaft war und deshalb alle StraĂźencafĂ©s rappelvoll waren. Letztlich hat der Kaffee dann 5,20 Euro gekostet, eine Cola 4,80 Euro und ein Wasser immerhin 4 Euro. “Très cher”.

    In der Woche ist ansonsten die Uni-Mensa sehr angenehm. Bei “Crous-Versaille” – dem Studentenwerk – kann man fĂĽr 2,75 Euro essen. Und das ist dann schon – verglichen mit deutschen Mensen – tatsächlich sehr komfortabel: In dem Preis ist ein Salat, Obst oder Käse, ein Nachtisch und natĂĽrlich ein Hauptgericht enthalten. Dazu gibt es Wasser umsonst – eigentlich nicht der Rede wert, habe ich in Deutschland aber auch noch nicht erlebt.Und noch eine Sache scheint wirklich generell gĂĽnstiger zu sein in Frankreich: BĂĽcher. Ich habe fĂĽr die Uni ein Taschenbuch gekauft, das 3,70 Euro gekostet hat. Das hätte in Deutschland bestimmt mindestens das Doppelte gekostet.

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    Studieren mit zunehmendem Plan

    Posted by Julian Kanth on Feb 14 2007 | La vie parisienne, Studieren

    Es ist im Grunde so: Jeden Tag erfahre ich neue Dinge darĂĽber, wie ich meinen Stundenplan gestalten kann oder was noch alles drin stehen sollte. Mein Plan ist deshalb noch sehr in Bewegung. Und eigentlich kann man bis jetzt von einem richtigen Plan noch nicht reden – das Wort “Notizen” trifft da eher zu.

    Diese “Notizen” machen das Studienleben (ihrer Natur nach) nur ĂĽberschaubar einfacher. Denn was zum Beispiel die Sprachkurse betrifft, habe ich mir vergangene Woche nur sehr undurchsichtiges aufgeschrieben. Die Raumnummer fĂĽr den Kurs “Laboratorium” stand irgendwo zwischen den Zeilen und ohne weiteren Kommentar. Dadurch dauert alles etwas länger.

    Ansonsten verdichten sich meine Notizen auf im Kern zwei Pläne: einen idealistischen- und einen realistischen Plan. In dem idealistischen Plan stehen die Kurse, die ich machen könnte. In dem Realistischen sind die vermerkt, die ich machen sollte.

    Das bemerkenswerteste an beiden Versionen des Plans ist: Ich habe donnerstags um 8.30 Uhr Uni (ich kann mich nicht erinnern, wann ich mir solch einen SpaĂź in Deutschland das letzte Mal gegeben habe). Das bedeutet im Klartext: Ich muss spätestens um 7.30 Uhr aus dem Haus. Eine Stunde brauche ich nämlich normalerweise mindestens, bevor mich eine der zahlreichen MĂ©tros und RERs zusammen mit vielen anderen Menschen an der Station “Nanterre UniversitĂ©” wieder ausspuckt.

    Die übrigens Kurse gruppieren sich um insgesamt sieben Zeitstunden Sprachkurse: mündlich, schriftlich und Aussprache. Und dann kommen eben noch die Politik-Kurse über politische Ideologien, das Regierungssystem der USA (Freitagabend!) und politische Gemeinschaften wie die Europäische Union.

    Wenn ich abends zu Hause bin, bin ich meist total kaputt. Das Erasmus-Leben hatte ich mir anders vorgestellt. Mal sehen, wie sich der Plan zwischen idealistisch und realistisch einpendelt; waren ja erst drei Tage Uni.

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    Anreise

    Posted by Julian Kanth on Feb 11 2007 | La vie parisienne, Leben, Snapped

    Enge Schleusen am Eingang zur Métro-Station. Sie lassen nur durch, wer ein gültiges Ticket hat. Halbwegs wirkungsvoll gegen Schwarzfahrer. Die Hölle für Reisende mit viel Gepäck. Ein elektronisches blechernes Fiepen, ein mechanisches Rauschen, das Ticket kommt am anderen Ende wieder raus. Die beiden Flügel der Schleuse bewegen sich schwungvoll zur Seite. Drinnen.

    Der Zug braust herein. Er schiebt eine gewaltige Menge Luft vor sich her. Müll, der auf dem Bahnstein liegt, wird aufgewirbelt. Die Tür geht mit einem Zischen auf. Uff, ist das Gepäck schwer. Ein schriller Warnton, wieder ein Zischen. Die Türen sind zu. Die Fahrt geht los.

    Es ist Sonntagmittag. Viele Leute sind nicht unterwegs. Dafür ist viel Platz für das Gepäck. Koffer, Rucksack und Tasche, bis oben hin und bis zum Bersten gefüllt. Rückenschmerzen?

    Zielbahnhof. Zischen. Uff. Rolltreppe. Niemand sonst ist da. Diesmal keine Schleusen. Na wunderbar. Drehkreuze. Was für ein Spaß mit drei Taschen. Eng. Ticket in das Lesegerät. Ein ablehnendes Geräusch. Tuuuot. Lesefehler? Zweiter Versuch. Tuuuot. Nein. Anderes Drehkreuz. Tuuuot. Keine Aufsicht in Sicht. Kein anderer Reisender.

    Anderer Ausgang. Niemand sonst in Sicht. Lesegerät: Tuuuuot. Toll. Leichte Panik. Leerer Bahnhof. Niemand da. Drehkreuz. Tuuuot. Was tun? “Est-ce que vous pourriez m’aider?” – “Können Sie mir helfen?” Gott sei Dank. Er wartet. “Les machines n’aime pas mon ticket!” – “Die Maschinen mögen mein Ticket nicht!”. Er dreht sich um. Steckt sein Ticket in das Drehkreuz. Zustimmendes Tuten. Endlich da.

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