Es ist im Zweifelsfall eine kompromisslose Entscheidung: entweder ganz oder gar nicht – Party bis zum Morgengrauen oder früh nach Hause gehen und schlafen. Anders als in deutschen Metropolen wie Berlin (oder Halle) fahren nämlich in Paris die Bahnen nicht durch. Konkret bedeutet das, ein echtes „Métro Nightlife“ gibt es nicht. Eher ist es so, dass die Métro einen das Nightlife ausleben lässt (oder eben auch nicht). Die letzte Bahn am Abend fährt gegen 1 Uhr. Das heißt, spätestens gegen 0.30 Uhr muss man entscheiden: ganz oder gar nicht; halte ich die Nacht durch oder gehe ich besser jetzt nach Hause. Die nächste Bahn, die erste am frühen Morgen, fährt erst frühestens nach 5 Uhr.
Und die Alternativen sind auch eher überschaubar. Es gibt – wie in jeder Metropole – Nachtbusse. Nachtbusse haben aber meist tendenziell das Problem, dass sie zum einen ziemlich lange unterwegs sind und zum anderen häufig an ganz ungewöhnlichen Orten abfahren. Die zweite Variante, um zum Beispiel zu einer netten Medium-Zeit wie gegen 3 Uhr eine Party zu verlassen, ist das Taxi. Doch realistisch ist auch sie nicht. Denn Taxis sind in Paris im Zweifelsfall très cher (das unterstelle ich an dieser Stelle einfach mal ganz unjournalistisch, heißt, ohne es bisher nachgeprüft zu haben).
Bleiben oder gehen – bei Eintrittspreisen von um die 15 Euro für die Disco muss man sich das also sehr genau überlegen. Auch wenn ich eigentlich nicht so extrem gerne der letzte auf einer Party bin: Bei diesen Eintrittpreisen läuft es eher auf „bleiben“ hinaus; die Investition muss sich ja lohnen – wie gestern zum Beispiel.
Wir waren auf einer Fakultätsparty der Universität Paris-Sud. Paris ist groß, und der Süden ist (von Clichy aus gesehen) am anderen Ende der Stadt – mit der Bahn im Idealfall etwas mehr als eine Stunde Fahrtzeit – mitten auf dem Acker (für Pariser Verhältnisse). 15 Euro Eintritt, Freibier, bis das Fass leer ist – also eher „bleiben“. Die erste Bahn (hier die RER B) von dort aus zurück fährt um 5.09 Uhr.
Es ist allerdings erstaunlich, wie viel am frühen Morgen bereits in den Stationen los ist, wie viele Menschen unterwegs sind. Denn an den zentralen Umsteigestationen drängen sich auch in die erste Bahn des Tages schon die Menschen; und die meisten sehen nicht aus, als seien sie einfach irgendwo „geblieben“ (ich bitte an dieser Stelle die etwas einseitige Sichtweise des Erasmus-Studenten zu entschuldigen). In einigen Verbindungstunneln ist es trotzdem ruhig und einsam; an der Station „Auber“ gegen kurz vor 6 Uhr roch es heute früh leicht chemisch-frisch, der Boden war gewischt, alle Geschäfte noch geschlossen – das scheint das „Métro Nightlife“ zu sein.