Archive for März, 2007

Lebenszeichen

Posted by Julian Kanth on Mrz 31 2007 | La vie parisienne, Leben

In den vergangenen Wochen habe ich sehr viel Zeit in Bibliotheken verbracht. Insbesondere die vergangene Woche war noch einmal richtig hart. Mein Kopf ist immer noch voll mit Öffentlichkeit, Medien, Internet und Weblogs. Aber jetzt wird alles gut: Die Hausarbeit ist fertig! Deshalb habe ich voraussichtlich in den nächsten Tagen auch wieder regelmäßiger Zeit und Motivation, hier was zu schreiben. Und als Dank für den Stress der vergangenen Tage steht mir auch schon eine Belohnung bevor: in einer Woche fangen die Osterferien an. Ein paar Tage davon werde ich in der Provence verbringen. Die Zugfahrkarten sind gekauft und die Unterkünfte gebucht. À bientôt!

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Fließbandkommunikation

Posted by Julian Kanth on Mrz 22 2007 | La vie parisienne, Snapped

Erasmus-Studenten sind meist sehr angenehm. Sie sind offen, gesprächsbereit und lernen gerne Leute kennen. Wobei die Leute, die man als Erasmus-Student kennenlernt, mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Erasmus-Studenten sind (in den ersten Tagen in Paris hat mich diese Erkenntnis zu der Frage gebracht, ob es in Nanterre überhaupt Franzosen gibt).

Gerade wegen des Charakterzugs, gerne Leute kennenzulernen, braucht es offenbar gewisse Standards. Das Wort „Fließbandkommunikation“ trifft es vielleicht ganz gut. Wie heißt du? Wo kommst du her? Was studierst du? – Es sind die immer gleichen Fragen, die den Gesprächseinstieg erleichtern.

Der Wert dieser „Fließbandkommunikation“ ist also hauptsächlich der, dass sich ein erstes Gesprächsthema ergibt, einen darüber hinausgehenden scheint es nur selten zu geben. Denn gerade weil die Fragen immer wieder kommen, gehen die Antworten meist unter oder bleiben nur wenige Minuten im Gedächtnis. Ich beobachte bei mir selbst, dass ich zunehmend versuche, sie zu umgehen (mal die erste ausgenommen). Denn spätestens wenn der Fragen- und Antwortenkatalog zum dritten Mal an einem Tag (oder einem Abend) als Gesprächseinstieg herhalten muss, wird es eintönig. Spannender ist es, diese Informationen (über deren Wert man tatsächlich mal diskutieren könnte) im Laufe eines Gesprächs nach und nach herauszufinden; das ergibt sich allerdings nicht immer.

Und dann ist da noch die Sache mit dem zweiten Treffen. Der Praxistest. Meist ist es möglich, sich bei einem Wiedersehen auf andere Themen zu konzentrieren. Aber nicht selten kommt nach einigen Minuten angeregter Diskussion dann doch wieder die Frage: „Sag mal, wie heißt du noch mal?”

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Deutsches Leben in Paris

Posted by Julian Kanth on Mrz 19 2007 | La vie parisienne, Leben

Paris ist ziemlich international. Das habe ich an anderer Stelle ja schon einmal etwas ausführlicher dargestellt. Aber neben diesen Einflüssen aus der weiten Welt begegnen mir täglich auch Eindrücke aus einer vertrauten Welt: aus Deutschland!

In Restaurants und auf Straßen ist es nicht ungewöhnlich, das Gruppen in Deutsch miteinander sprechen. Auch in der Métro dringen immer wieder Fetzen der mir vertrauten Sprache an mein Ohr. Die Deutschen sind eben professionelle Touristen und reisen gerne durch die Welt (ich möchte mich davon an dieser Stelle auch gar nicht ausnehmen). In Namibia habe ich ja schon ähnliche Beobachtungen gemacht; allerdings dort in einem ganz anderen Umfeld.

Es geht aber noch weiter: Vor einigen Wochen bin ich abends mit ein paar anderen Erasmus-Studenten durch das sehr multi-kulturelle Viertel um den Gare du Nord geirrt. Geirrt, weil wir eigentlich relativ spät am Abend gerne noch eine Flasche Wein kaufen wollten. Der einzige Ort, der uns dabei Hoffnung machte, war eine Markthalle (Marché St. Quentin). Die Fleischer und Bäcker waren schon dabei, zu schließen. Ein kleiner Laden in der Mitte der Halle war aber noch geöffnet. Ein Delikatessen-Laden. Im Schaufenster Werbung für Jägermeister, in den Regalen alle großen deutschen Biermarken, deutsche Schokolade, Käse. Ein deutscher Delikatessen-Laden, mit Namen “Tante-Emma-Laden”, mitten in Paris. Der Besitzer erklärte mir, dass er regelmäßig mit einem Lastwagen nach Deutschland fahre und die Waren selbst importiere.

Marissal - deutsche Buchhandlung am Centre PompidouEin ähnliches Erlebnis hatte ich vergangene Woche, als ich keine Lust hatte, mich in die Warteschlange vor dem Centre Pompidou einzureihen. Ich wollte Postkarten kaufen. Deshalb war ich glücklich, neben dem Pompidou eine Buchhandlung zu finden. Nachdem ich mir einige Karten ausgesucht hatte, bin ich in den Laden hineingegangen, um zu bezahlen. Dabei ist mir ein Regal ins Auge gefallen, in dem die Bücher verdächtig nach Reclam aussahen. Beim genaueren Hinsehen sind mir weitere deutsche Bücher aufgefallen und schließlich habe ich den Gesamtkontext erkannt: eine deutsche Buchhandlung.

Mein persönliches Highlight war allerdings der Döner-Imbiss in Clichy. Ich wollte einen Döner essen (wobei „Döner-ähnlich“ es im Zweifelsfall eher trifft). Als das Essen verpackt war, hat mich der Verkäufer gefragt: „Vous êtes allemand?“ Er habe fünf Jahre in Deutschland gelebt und ein Großteil seiner Familie sei auch noch dort, erzählt er mir in gebrochenem Deutsch.

Kein Wunder also eigentlich, dass ich mich vor kurzem gewundert habe, dass die Mutter, die mir auf der Straße entgegenkam, mit ihrer Tochter französisch gesprochen hat. Übrigens eine Anekdote, aber kein Witz.

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Der Kampf der Bibliotheken

Posted by Julian Kanth on Mrz 15 2007 | La vie parisienne, Studieren

So richtig praktisch sind die Pariser Bibliotheken nicht. Irgendwie haben sie alle ihre Tücken.BnF - ein bisschen schummerig ist’s Es fängt an mit der Bibliotheque Universitaire in Nanterre. Die Räume sind groß, geräumig und hell. Besonders angenehm ist das W-LAN, das schnellen Internetzugang garantiert. Dagegen ist allerdings nicht für viele Steckdosen gesorgt. Das markante Detail in Nanterre scheint aber die Arbeitskultur zu sein: lautstarke Diskussionen sind nicht selten.

Im Centre Pompidou ist das etwas anders. Dort ist neben den Ausstellungen von moderner Kunst auch eine Bibliothek. Steckdosen gibt es hier genug. Auch ein kostenloses W-LAN wird angeboten – allerdings nur 1,5 Stunden, dann wird die Verbindung getrennt. Im Pompidou sind die Räume gigantisch groß – genaugenommen sind es zwei gigantisch große Räume mit endlos langen Tischreihen. Das hat ein bisschen was vom Flair einer Fabrikhalle mit Fließbändern – aber dafür ist es erstaunlich ruhig. Ein bisschen nervig ist die permanente Warteschlange am Eingang; die wird nämlich erst am späten Nachmittag etwas kürzer.

BnF - Innenhof und einer der vier TürmeAm nobelsten ist die Nationalbibliothek Francois Mitterand. Der schicke moderne Bau befindet sich ein bisschen abseits der Stadtmitte im Südwesten. Alles ist neu dort – irgendwie auch das ganze Stadtviertel drum herum. In den Lesesälen ist es ein wenig duster, weil Holzwände vor den Fenstern die Bücher vor dem Tageslicht schützen sollen. Jeder Arbeitsplatz ist geräumig und hat – ja, sehr praktisch – eine Steckdose. Und es ist ruhig. Sehr ruhig. Dafür gibt es kein W-LAN. Und die BnF hat noch einen Nachteil: Sie kostet Eintritt! 3,30 Euro pro Tag. Für 18 Euro gibt es für Studenten eine Jahreskarte.

Eines haben aber alle Bibliotheken gemeinsam: Während in Halle beispielsweise das Juridicum oder die Franckeschen Stiftungen bis spät am Abend geöffnet sind, geht im Centre Pompidou (und das ist die Bibliothek, die am längsten offen hat) schon um 22 Uhr das Licht aus. Aber das hat vermutlich auch ganz praktische Gründe – denn tief in der Nacht kommt man mit den Métros ja auch nicht nach Hause. Übrigens arbeite ich am liebsten im Centre Pompidou (gerade weil man zumindest bis halbwegs spät dort bleiben kann). Und weil ich mir eine Jahreskarte gekauft habe, fahre ich zwischendurch auch regelmäßig in die BnF.

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Frühling

Posted by Julian Kanth on Mrz 11 2007 | La vie parisienne, Snapped

Es fällt mir gerade etwas schwer, mich zu zwingen, mich in eine Bibliothek zu setzen. Dabei hätte ich doch einiges zu tun. Jardin du LuxembourgAber das Wetter hat mir dieses Wochenende einen Strich durch die Rechnung gemacht!

Es riecht nach Frühling! Es ist warm hier in Paris und die Sonne strahlt vom klaren, blauen Himmel. Deshalb sind auch die Parks voll – ob im Jardin du Luxembourg oder an der Spitze der Île de la Cité genießen die Menschen die Wärme. Ich habe es heute auch gemacht.

Das Wetter soll in den nächsten Tagen noch so bleiben – angenehm warm und frühlingshaft. Allerdings hoffe ich, dass ich spätestens ab morgen wieder auf mein Pflichtbewusstsein setzen kann: Ich muss nämlich noch mindestens eine Hausarbeit hier schaffen und ein paar Hausaufgaben bearbeiten.

Bis dahin werde ich mich jetzt aber erstmal noch ein wenig an die Seine setzen.

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