Paris ist ziemlich international. Das habe ich an anderer Stelle ja schon einmal etwas ausführlicher dargestellt. Aber neben diesen Einflüssen aus der weiten Welt begegnen mir täglich auch Eindrücke aus einer vertrauten Welt: aus Deutschland!
In Restaurants und auf Straßen ist es nicht ungewöhnlich, das Gruppen in Deutsch miteinander sprechen. Auch in der Métro dringen immer wieder Fetzen der mir vertrauten Sprache an mein Ohr. Die Deutschen sind eben professionelle Touristen und reisen gerne durch die Welt (ich möchte mich davon an dieser Stelle auch gar nicht ausnehmen). In Namibia habe ich ja schon ähnliche Beobachtungen gemacht; allerdings dort in einem ganz anderen Umfeld.
Es geht aber noch weiter: Vor einigen Wochen bin ich abends mit ein paar anderen Erasmus-Studenten durch das sehr multi-kulturelle Viertel um den Gare du Nord geirrt. Geirrt, weil wir eigentlich relativ spät am Abend gerne noch eine Flasche Wein kaufen wollten. Der einzige Ort, der uns dabei Hoffnung machte, war eine Markthalle (Marché St. Quentin). Die Fleischer und Bäcker waren schon dabei, zu schließen. Ein kleiner Laden in der Mitte der Halle war aber noch geöffnet. Ein Delikatessen-Laden. Im Schaufenster Werbung für Jägermeister, in den Regalen alle großen deutschen Biermarken, deutsche Schokolade, Käse. Ein deutscher Delikatessen-Laden, mit Namen “Tante-Emma-Laden”, mitten in Paris. Der Besitzer erklärte mir, dass er regelmäßig mit einem Lastwagen nach Deutschland fahre und die Waren selbst importiere.
Ein ähnliches Erlebnis hatte ich vergangene Woche, als ich keine Lust hatte, mich in die Warteschlange vor dem Centre Pompidou einzureihen. Ich wollte Postkarten kaufen. Deshalb war ich glücklich, neben dem Pompidou eine Buchhandlung zu finden. Nachdem ich mir einige Karten ausgesucht hatte, bin ich in den Laden hineingegangen, um zu bezahlen. Dabei ist mir ein Regal ins Auge gefallen, in dem die Bücher verdächtig nach Reclam aussahen. Beim genaueren Hinsehen sind mir weitere deutsche Bücher aufgefallen und schließlich habe ich den Gesamtkontext erkannt: eine deutsche Buchhandlung.
Mein persönliches Highlight war allerdings der Döner-Imbiss in Clichy. Ich wollte einen Döner essen (wobei „Döner-ähnlich“ es im Zweifelsfall eher trifft). Als das Essen verpackt war, hat mich der Verkäufer gefragt: „Vous êtes allemand?“ Er habe fünf Jahre in Deutschland gelebt und ein Großteil seiner Familie sei auch noch dort, erzählt er mir in gebrochenem Deutsch.
Kein Wunder also eigentlich, dass ich mich vor kurzem gewundert habe, dass die Mutter, die mir auf der Straße entgegenkam, mit ihrer Tochter französisch gesprochen hat. Übrigens eine Anekdote, aber kein Witz.