Archive for Juni, 2007

Fête de la musique

Posted by Julian Kanth on Jun 24 2007 | La vie parisienne, Leben

Straßenband in Saint German de PrèsParis gilt als eine der meistbesuchten Städte der Welt. Das spürt man im täglichen Leben. Und wenn man mehrere Monate bleibt, kann man genau beobachten, wie Touristenschwärme in die Straßen einfallen und wieder verschwinden. Einige Wochen wirkt die Stadt leer und plötzlich, wenn Ferienzeiten sind, wird es eng und die Métros (insbesondere die Linien 1 und 2) sind zum Bersten gefüllt. Paris ist also manchmal voll und manchmal weniger voll, den Unterschied machen jeweils die Touristen. Das war die Logik, die ich verstanden zu haben glaubte.

Am Donnerstag habe ich noch einen neuen Effekt kennengelernt: den „Fête de la musique“-Effekt. Denn wenn Fête ist, ist die Stadt auch voll, richtig voll, aber nur mit Parisern (und natürlich einigen Touristen, die zufällig da sind). Die „Fête de la musique“ wird inzwischen seit über 20 Jahren gefeiert und übrigens nicht nur in Paris, sondern auch in vielen anderen Städten weltweit. Die Idee ist, dass in der ganzen Stadt kostenlose Konzerte stattfinden: in Cafés, Bars, auf Bühnen oder einfach am Straßenrand – so sollen vor allem Nachwuchsmusiker gefördert werden.

Bongo-Musik vor Notre Dame de ParisParis verwandelt sich am Abend der Fête in ein einziges Festivalgelände. Durch die ganze Stadt schalt Musik. Von Rock, über französische Chansons bis zu Streicher-Trios: einmal um die nächste Straßenecke gehen reicht aus, damit sich das Klangbild komplett ändert. Und so kann man an diesem Abend einfach von Straßenecke zu Straßenecke gehen und die Stimmung genießen. Zwar gibt es auch ein offizielles gedrucktes Programm. Das ist aber so umfangreich, dass es viel Zeit kostet, um konkrete Programmpunkte und Konzerte auszuwählen.

Und durch die lange Tradition scheint das Fest inzwischen sehr populär geworden zu sein. Am Donnerstag jedenfalls war gefühlt wirklich die ganze Stadt – oder sagen wir zumindest die gesamte Jugend der Stadt – auf der Straße.

Auch ich habe mich treiben lassen, zum Abschied von Paris, zusammen mit ein paar Freunden. Wir sind hängen geblieben im Jüdischen Kunstmuseum. Dort hat eine Band moderne und gut tanzbare Klezmer-Musik gespielt. Danach haben wir noch an der Bastille vorbeigeschaut. Das war aber schon kurz vor Mitternacht, so dass auf der Hauptbühne nichts mehr los war und vor allem tausende von betrunkenen Jugendlichen durch die Straßen torkelten, die vermutlich vorher zu Songs von „Tokio Hotel“, die an diesem Abend in Paris aufgetreten sind, mitgegrölt hatten.

Klezmer im Jüdischen KunstmuseumWeil die „Fête“ so ein großes und etabliertes événement ist, hatte auch die Nahverkehrsverwaltung RATP versprochen, dass die Métros die Nacht durchfahren. Das war zumindest das Gerücht, dass sich hartnäckig verbreitet hat. In Wirklichkeit gab es ein paar Einschränkungen: Die Hauptlinien der RER sind durchgefahren, und einige zentrale (aber nicht alle!) Métro-Linien ratterten durch die Nacht – aber selbst die aktiven Linien haben nicht alle ihre Stationen bedient. So hat die Heimfahrt mitten in der Nacht im Endeffekt doch etwas länger gedauert als erhofft.

Trotzdem habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, mir meinen Terminplan für das nächste Jahr so zu basteln, dass ich wieder am 21. Juni in Paris werde sein können. Vielleicht war diese Idee aber auch nur wieder einer der Reflexe, um den Abschied zu erleichtern.

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Vom Wein- ins Surferparadies

Posted by Julian Kanth on Jun 21 2007 | La vie parisienne, Reisen

Wenn man bei der französischen Bahn rechtzeitig die Fahrkarten kauft, kann man recht günstig durch das ganze Land fahren. Um nach dem Prüfungsstress noch ein paar Tage auszuspannen, bevor es nun sehr bald wieder zurück nach Deutschland geht, bin ich ein wenig durch das Land gefahren: zur Weinprobe nach Bordeaux (genaugenommen ins Weindorf Saint Emilion) und danach an den Atlantik, ins französische Baskenland nach Biarritz. Um die Reise kompakt zusammen zu fassen: anders als im April war das Wetter erheblich besser, die Weine beim Weinfest (man kauft ein Glas für drei Euro und kann von einem Stand zum nächsten gehen) der absolute Genuss und der Strand und die Wellen in Biarritz die absolute Wucht. Mehr Eindrücke von der Tour in der Bildergalerie.

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Abendstimmung im Montmartre

Posted by Julian Kanth on Jun 14 2007 | La vie parisienne, Leben

Es gibt viele Menschen, die verachten Orte, die von Touristen überrannt werden. Das hängt mit Sicherheit auch damit zusammen, dass viele Orte durch Menschenmassen an Reiz verlieren. Das Montmartre, das (frühere) Künstlerviertel von Paris, würde ich von dieser Regel ausnehmen. Egal zu welcher Tageszeit man dort durch die engen Straßen geht, trifft man auf Menschen aus aller Herren Länder, die mit eindrucksvollen Kameras bewaffnet sind und sich den steilen Hügel hinauf schleppen zur Kirche Sacré Cœur.

Treppe voller Menschen mit ChorIch gehe besonders abends gerne ins Montmartre, wenn ich noch Lust habe, ein bisschen spazieren oder einfach unter Leute zu gehen. Von mir zu Hause aus sind es bis dort vier Stationen mit der Métro (Place de Clichy) oder zu Fuß direkt bis hinauf auf den Hügel knapp 40 Minuten.

Von dort oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Gerade wenn es dunkel ist, offenbart sich ein mitreißender Blick auf „die Stadt der Lichter“. Und es ist eben immer was los: Die Treppe vor der Kirche ist abends ein beliebter Treffpunkt um sich – wie man in Südafrika sagt – einen „Sundowner“ zu gönnen. Und wer das Bier vergessen hat, dem wird von Verkäufern, die sich regelmäßig mit großen Plastiktüten durch die Menge quälen, zu beeindruckenden Preisen ausgeholfen. Manchmal endet das Ganze im Laufe des Abends schlicht in einem Besäufnis.

Treppe vor Sacré CoeurDann wird es meistens etwas laut, denn für die passende Beschallung zum Sundowner-Besäufnis sorgen Musiker, die mit Gitarre, Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet die Klassiker der Popmusik spielen. Je später der Abend, desto mehr wird zu „La Bamba“, „I shot the Sheriff“ oder „Aisha“ mitgegrölt oder zu „Your Song“ und Bob Marleys unvermeidlichem „No woman no cry“ gekuschelt. Es ist dann auch nicht so schlimm, dass die Musiker nicht immer die richtigen Töne treffen. Für sie scheint es jedenfalls eine ganz einträgliche Geldquelle zu sein. Die meisten von ihnen sehe ich dort fast jedes Mal. Und auch den Spruch „I don’t like money, I need it“ habe ich inzwischen schon fast zu oft gehört; denn die meisten Besucher, die abends vor Sacré Cœur sitzen, kommen im Gegensatz zu mir nur einmal.

Auch weiter unten auf dem Boulevard de Clichy, der am Fuße von Sacré Cœur liegt, ist spät abends ist noch viel Leben. Es ist dort ein bisschen wie auf der Reeperbahn in Hamburg. Das Montmartre ist eben auch so ein typisches Weggehviertel, wenn man ein bisschen mehr Geld ausgeben möchte. Schrille Leuchtreklamen schreien nach Aufmerksamkeit und gestylte Jugendliche und in Schale geschmissene Erwachsene präsentieren sich wie auf einem Laufsteg.

Boulevard de ClichyDa bilden sich scheinbar endlose Schlangen vor – wie man so schön sagt – „angesagten Locations“ wie dem „La Loco“ oder dem „La Cigalle“ und manchmal auch vor dem Klassiker, dem „Moulin Rouge“. Und wer dort nicht in der Schlange steht, der wird garantiert von einem der zahlreichen penetranten Bauernfänger angesprochen, die einen in ihre „Tanzlokale“ oder „Etablissements“ mit so eindeutigen Namen wie „Sexodrome“ locken wollen.

Im Endeffekt ist mir das Montmartre aber zu teuer, und außer bei McDonald’s habe ich abends dort noch kein Geld gelassen. Denn das ist auch einer der Nebeneffekte, wenn viele Touristen da sind: die Preise steigen ins Unermessliche.

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Prüfungszeit

Posted by Julian Kanth on Jun 12 2007 | La vie parisienne, Studieren

Am Anfang waren die Zweifel, oder besser: die Überzeugung, dass das mit Prüfungen in Paris nichts werden wird. Neben vielen anderen Dingen, die ich mir in den Monaten vor der Abreise nach Frankreich eingeredet habe, um die Erwartungshaltung zu senken, gehörte auch das Abbügeln von Gedanken an Leistungsscheine dazu.

Die Arbeit an der Uni (oder vielleicht auch nur an der Juristen-Fakultät in Nanterre, an die die Politikwissenschaft angegliedert ist?) ist hier insgesamt etwas anders als in Deutschland: An Stelle von Seminaren gibt es Vorlesungen und an Stelle von Vorlesungen gibt es, genau, auch Vorlesungen. Theoretisch gibt es noch einige ganz wenige "Seminare", aber das kam für mich am Anfang des Semesters auf keinen Fall in Frage. Entsprechend also statt Seminaren viel still sitzen, insbesondere bei der Veranstaltung am Freitagabend, die drei Stunden am Stück ging.

Genau wie die Arbeit an der Uni ist entsprechend auch die „Leistungserbringung“ etwas anders geregelt. Entweder man schreibt eine Klausur oder macht eine mündliche Prüfung. Ich habe mich im Zweifelsfall für die Variante „mündliche Prüfung“ entschieden – was ebenfalls am Anfang des Semesters aufgrund der Sprachkenntnisse noch undenkbar war.

Offenbar ist der Ablauf dieser Prüfungen nicht standardisiert und vom Professor abhängig. Eine Prüfung hat bei mir so ungefähr 35 Minuten gedauert, mit Referat am Anfang und Fragen im Anschluss, eine andere vielleicht knapp über 10 Minuten mit einer sehr offenen Frage am Anfang und ein paar Detailfragen im Anschluss.

Das habe ich seit heute Vormittag nun alles hinter mir und so kann ich mich nach dem minimalen arbeitsökonomischen Lernen der vergangenen Tage wieder auf das Wesentliche konzentrieren: die letzten Tage in Paris!

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Von wegen Wahlkampf

Posted by Julian Kanth on Jun 10 2007 | La vie parisienne, Snapped

Ich bin richtig ein wenig enttäuscht. Nach den spektakulären Aktionen im April, den Großveranstaltungen und den eifrigen, aufdringlichen Helfern hatte ich mich schon richtig auf eine neue Wahlkampfrunde gefreut. Und dann: nichts!

Heute sollen die Franzosen wieder wählen. Dieses Mal geht es nicht um den Präsidenten, sondern um die Nationalversammlung, das Parlament. Eigentlich ein guter Zeitpunkt für die Abgeordneten, um um die Wählerstimmen zu werben, zu beweisen, dass sie da sind und zu erklären, was sie für ihren Wahlreis erreichen wollen. Nö.

Wahlplakat in der Pariser InnenstadtDie Sozialisten scheinen so sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, dass sie keinen Ehrgeiz mehr haben, sich noch großartig um den Wahlkampf zu kümmern. Und die UMP von Präsident Sarkozy scheint so siegesgewiss, dass sie es ebenfalls nicht nötig zu haben scheint. Und so waren am Freitag zwar ein paar fleißige Helfer aus der Basis unterwegs, um an den Ausgängen der Métro im Berufsverkehr noch eifrig Flyer zu verteilen. Ob das aber für eine so hohe Wahlbeteiligung reicht, wie bei der Präsidentschaftswahl, wage ich stark zu bezweifeln.

Meinen persönlichen Favoriten habe ich übrigens mitten in der Stadt entdeckt, nicht weit vom Einkaufszentrum „Les Halles“. Er hat es dort etwas schwer, weil irgendwelche ignoranten Party-Promoter seine Wahlplakate halb zugeklebt haben. Trotzdem (oder gerade deshalb?) drücke ich Mario STASI die Daumen.

Ok, ja, ertappt. Eigentlich geht es mir ja nur um das Wortspielchen mit seinem Namen, der deutschen Geschichte und die sich daraus ergebenden möglichen Schlagzeilen, die sich stricken ließen, zöge er tatsächlich in die Nationalversammlung ein. 5 Euro also in die Wortspielkasse.

Nachtrag 11.6.: Leider hat es mein Kandidat nicht geschafft: Mario Stasi hat zwar 13,5 Prozent der Stimmen bekommen, damit die Mehrheit aber deutlich verpasst. Beim nächsten Mal vielleicht. 

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