Fête de la musique
Paris gilt als eine der meistbesuchten Städte der Welt. Das spürt man im täglichen Leben. Und wenn man mehrere Monate bleibt, kann man genau beobachten, wie Touristenschwärme in die Straßen einfallen und wieder verschwinden. Einige Wochen wirkt die Stadt leer und plötzlich, wenn Ferienzeiten sind, wird es eng und die Métros (insbesondere die Linien 1 und 2) sind zum Bersten gefüllt. Paris ist also manchmal voll und manchmal weniger voll, den Unterschied machen jeweils die Touristen. Das war die Logik, die ich verstanden zu haben glaubte.
Am Donnerstag habe ich noch einen neuen Effekt kennengelernt: den „Fête de la musique“-Effekt. Denn wenn Fête ist, ist die Stadt auch voll, richtig voll, aber nur mit Parisern (und natürlich einigen Touristen, die zufällig da sind). Die „Fête de la musique“ wird inzwischen seit über 20 Jahren gefeiert und übrigens nicht nur in Paris, sondern auch in vielen anderen Städten weltweit. Die Idee ist, dass in der ganzen Stadt kostenlose Konzerte stattfinden: in Cafés, Bars, auf Bühnen oder einfach am Straßenrand – so sollen vor allem Nachwuchsmusiker gefördert werden.
Paris verwandelt sich am Abend der Fête in ein einziges Festivalgelände. Durch die ganze Stadt schalt Musik. Von Rock, über französische Chansons bis zu Streicher-Trios: einmal um die nächste Straßenecke gehen reicht aus, damit sich das Klangbild komplett ändert. Und so kann man an diesem Abend einfach von Straßenecke zu Straßenecke gehen und die Stimmung genießen. Zwar gibt es auch ein offizielles gedrucktes Programm. Das ist aber so umfangreich, dass es viel Zeit kostet, um konkrete Programmpunkte und Konzerte auszuwählen.
Und durch die lange Tradition scheint das Fest inzwischen sehr populär geworden zu sein. Am Donnerstag jedenfalls war gefühlt wirklich die ganze Stadt – oder sagen wir zumindest die gesamte Jugend der Stadt – auf der Straße.
Auch ich habe mich treiben lassen, zum Abschied von Paris, zusammen mit ein paar Freunden. Wir sind hängen geblieben im Jüdischen Kunstmuseum. Dort hat eine Band moderne und gut tanzbare Klezmer-Musik gespielt. Danach haben wir noch an der Bastille vorbeigeschaut. Das war aber schon kurz vor Mitternacht, so dass auf der Hauptbühne nichts mehr los war und vor allem tausende von betrunkenen Jugendlichen durch die Straßen torkelten, die vermutlich vorher zu Songs von „Tokio Hotel“, die an diesem Abend in Paris aufgetreten sind, mitgegrölt hatten.
Weil die „Fête“ so ein großes und etabliertes événement ist, hatte auch die Nahverkehrsverwaltung RATP versprochen, dass die Métros die Nacht durchfahren. Das war zumindest das Gerücht, dass sich hartnäckig verbreitet hat. In Wirklichkeit gab es ein paar Einschränkungen: Die Hauptlinien der RER sind durchgefahren, und einige zentrale (aber nicht alle!) Métro-Linien ratterten durch die Nacht – aber selbst die aktiven Linien haben nicht alle ihre Stationen bedient. So hat die Heimfahrt mitten in der Nacht im Endeffekt doch etwas länger gedauert als erhofft.
Trotzdem habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, mir meinen Terminplan für das nächste Jahr so zu basteln, dass ich wieder am 21. Juni in Paris werde sein können. Vielleicht war diese Idee aber auch nur wieder einer der Reflexe, um den Abschied zu erleichtern.








































