Klima
Südafrikaner begrüßen einen meistens mit einem fröhlichen „How are you?“, die Antwort ist dann in der Regel „fine, how are you?“ Bevor man zum eigentlichen Thema des Gesprächs übergeht, kann sich noch ein kurzer Smalltalk anschließen – zum Beispiel über das Wetter.
Es geht in den Winter hier auf der Südhalbkugel. So richtig passt die Vorstellung nicht zu den Klischees über Afrika, dass es hier auch knackig kalt werden kann. Der Winter ist normalerweise tagsüber klar und recht warm, in der Nacht ebenfalls klar, sternenklar, soweit man das am Himmel über dem hell erleuchteten Johannesburg erkennen kann, und ziemlich kalt. Meine Extremerfahrung, was das betrifft, ist eine Reise von Windhoek zu den Victoria Falls vor zwei Jahren: Damals sind wir früh morgens bei Minus sechs Grad in Namibia losgeflogen und am Mittag bei Plus 26 Grad in Simbabwe gelandet.
Tagsüber ist es also meist sehr angenehm, Spaziergänge im Pullover und mit hochgekrempelten Ärmeln sind kein Problem. Schon so manchen Morgen habe ich damit begonnen, mich vor mein Cottage zu setzen und in der kräftigen, warmen Morgensonne zu frühstücken. Wenn ich abends allerdings heim komme oder noch etwas unternehme, wird es frisch. Ohne Jacke geht es dann draußen nicht mehr. Und auch in den Wohnungen und Häusern wird es kühl. Eingebaute Heizungen gibt es eigentlich nicht. Viele haben sich deshalb Radiatoren und elektrische Heizlüfter gekauft, die zumindest kleine Räume schnell in eine sehr trockene, aber mollig warme Hitze tauchen. Der staatliche Stromkonzern ist deshalb schon etwas in Sorge, wenn es richtig Winter wird und es nachts wirklich kalt wird.
Zwar ist mein Grundeindruck, dass das Wetter hier eigentlich immer gut ist und – wie oben erwähnt – vor allem das Aufstehen durch strahlenden Sonnenschein enorm erleichtert wird. Auf der anderen Seite wird diese trügerische Harmonie regelmäßig durch heftige Gewitter durcheinander gewirbelt. Der Tag kann ganz entspannt beginnen, und plötzlich ziehen dunkelgraue Wolken auf. So ging das schon los, als ich hier angekommen bin. Noch am Flughafen war alles nett, die Sonne schien. Als ich zu Hause angekommen war, zog der Himmel dicht und es fing fürchterlich und in hoher Frequenz an zu Donnern und zu blitzen. Zu dem Gewitter kommen natürlich heftige Gewitterschauer. Das hatte im konkreten Fall zur Folge, dass ich, als ich schließlich am Abend im Bett lag, von einem eigenartigen Plätschern irritiert wurde. Erst nach und nach wurde mir klar, dass Regenwasser an einer Stelle von der Decke tropfte.
Das Dach ist inzwischen geflickt. Und für die nächsten Wochen habe ich meine Winterjacke im Schrank schon etwas weiter nach vorne geschoben.