Klima

Posted by Julian Kanth on Apr 18 2008 | Leben, Südafrika

Südafrikaner begrüßen einen meistens mit einem fröhlichen „How are you?“, die Antwort ist dann in der Regel „fine, how are you?“ Bevor man zum eigentlichen Thema des Gesprächs übergeht, kann sich noch ein kurzer Smalltalk anschließen – zum Beispiel über das Wetter.

Gutes Wetter, JoburgEs geht in den Winter hier auf der Südhalbkugel. So richtig passt die Vorstellung nicht zu den Klischees über Afrika, dass es hier auch knackig kalt werden kann. Der Winter ist normalerweise tagsüber klar und recht warm, in der Nacht ebenfalls klar, sternenklar, soweit man das am Himmel über dem hell erleuchteten Johannesburg erkennen kann, und ziemlich kalt. Meine Extremerfahrung, was das betrifft, ist eine Reise von Windhoek zu den Victoria Falls vor zwei Jahren: Damals sind wir früh morgens bei Minus sechs Grad in Namibia losgeflogen und am Mittag bei Plus 26 Grad in Simbabwe gelandet.

Tagsüber ist es also meist sehr angenehm, Spaziergänge im Pullover und mit hochgekrempelten Ärmeln sind kein Problem. Schon so manchen Morgen habe ich damit begonnen, mich vor mein Cottage zu setzen und in der kräftigen, warmen Morgensonne zu frühstücken. Wenn ich abends allerdings heim komme oder noch etwas unternehme, wird es frisch. Ohne Jacke geht es dann draußen nicht mehr. Und auch in den Wohnungen und Häusern wird es kühl. Eingebaute Heizungen gibt es eigentlich nicht. Viele haben sich deshalb Radiatoren und elektrische Heizlüfter gekauft, die zumindest kleine Räume schnell in eine sehr trockene, aber mollig warme Hitze tauchen. Der staatliche Stromkonzern ist deshalb schon etwas in Sorge, wenn es richtig Winter wird und es nachts wirklich kalt wird.

Regenschauer, Jo’burgZwar ist mein Grundeindruck, dass das Wetter hier eigentlich immer gut ist und – wie oben erwähnt – vor allem das Aufstehen durch strahlenden Sonnenschein enorm erleichtert wird. Auf der anderen Seite wird diese trügerische Harmonie regelmäßig durch heftige Gewitter durcheinander gewirbelt. Der Tag kann ganz entspannt beginnen, und plötzlich ziehen dunkelgraue Wolken auf. So ging das schon los, als ich hier angekommen bin. Noch am Flughafen war alles nett, die Sonne schien. Als ich zu Hause angekommen war, zog der Himmel dicht und es fing fürchterlich und in hoher Frequenz an zu Donnern und zu blitzen. Zu dem Gewitter kommen natürlich heftige Gewitterschauer. Das hatte im konkreten Fall zur Folge, dass ich, als ich schließlich am Abend im Bett lag, von einem eigenartigen Plätschern irritiert wurde. Erst nach und nach wurde mir klar, dass Regenwasser an einer Stelle von der Decke tropfte.

Das Dach ist inzwischen geflickt. Und für die nächsten Wochen habe ich meine Winterjacke im Schrank schon etwas weiter nach vorne geschoben.

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Loadshed

Posted by Julian Kanth on Apr 13 2008 | Leben, Südafrika

Samstagmittag in Joburg. Haupteinkaufszeit. Schon auf dem Weg zur Mall merke ich, dass etwas anders ist: die Ampeln sind ausgeschaltet. Als ich das große Einkaufszentrum betrete, wird mein Verdacht bestätigt: Loadshed, Stromabschaltung.

Supermarkt ohne StromDie dunklen Gänge sind voll mit Menschen, die ihre Wochenendeinkäufe in Tüten bei sich tragen. In einem Frisörgeschäft ist die Friseurin gerade damit beschäftigt, einer Kundin die Haare zu färben. Allerdings nicht, wie üblich, vor dem Spiegel, sondern direkt neben der Eingangstür, wo am meisten Licht ist. Einige Geschäfte sind ganz geschlossen, in einigen sitzen die Mitarbeiter mit Kerzen.

Im Supermarkt gibt es zwar eine Notbeleuchtung, aber die meisten Kühlregale kühlen gerade nicht mehr. Milch, Cola und Gemüse müssen bei steigenden Raumtemperaturen frisch bleiben. Nur die Tiefkühlregale und die Kassen scheinen über ein Notstromaggregat versorgt zu werden. Die Menschen haben sich offenbar mit dem Stromproblem arrangiert und erledigen wie gewohnt und ruhig ihre Einkäufe.

Dunkele GängeEs kommt im Moment nämlich immer häufiger vor, dass für vier bis sechs Stunden ganze Stadtteile vom Stromnetz getrennt werden. Südafrika, das wirtschaftsstärkste Land des Kontinents, durchlebt eine schwere Energiekrise. Es gibt nicht genug Kraftwerke. Unter anderem ist das ein politisches Problem. Denn der bislang hochprofitable staatliche Energiemonopolist Eskom hatte schon vor Jahren gewarnt, dass eine solche Situation kommen könnte und Unterstützung für neue Kraftwerke gefordert.

Nun kann es also passieren, dass man im Dunkeln sitzt, wenn man abends nach Hause kommt. Kein Licht, kein (Elektro-)Herd, keine Klimaanlage, kein Kühlschrank und im Tiefkühlschrank tauen gemächlich die Fertiggerichte auf. Wer keine Kerzen oder Öllampen hat, hat immerhin die Alternative, in ein anderes Viertel in eine Bar zu fahren und was trinken zu gehen.

Wann eine solche Abschaltung kommt, ist nur begrenzt vorhersagbar. Zwar gibt es einen E-Mailnewsletter „Load Alert“, der ist aber nicht in jedem Fall zuverlässig und wird offenbar nicht immer verschickt.

Schnellimbiss im KerzenlichtBesonders zur Rush-Hour ist das ein echtes Problem. Wenn in einer Stadt, in der es so gut wie keinen öffentlichen Nahverkehr gibt und fast jeder mit dem Auto unterwegs ist, die Ampeln ausfallen, bilden sich schnell lange Staus. Aber auch in den Büros sitzen die Menschen vor schwarzen Bildschirmen und sind stundenlang per E-Mail oder Telefon nicht erreichbar. Ein guter Zeitpunkt, um den Schreibtisch aufzuräumen oder von einer Karriere als Chef einer Importfirma für Stromaggregate zu träumen.

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Erste Schritte

Posted by Julian Kanth on Apr 05 2008 | Leben, Südafrika

Es wiegt mindestens 10 Kilogramm, zumindest vom Gefühl her: mein Schlüsselbund. Bis jetzt habe ich noch nicht herausgefunden, wozu jeder der Schlüssel gut ist. Es gibt eine Fernbedienung für das elektrische Tor, einen Schlüssel für das eine Tor, einen weiteren für das Tor direkt vor meiner Haustür und dann gibt es jeweils einen Schlüssel für die beiden Eingangstüren. Dazu kommen noch ein paar weitere, aber deren Funktion habe ich bislang nicht verstanden.

GartenAm meisten Respekt habe ich vor dem „Panic-Button“. Er gehört auch an das Schlüsselbund, ist auf der Unterseite dunkelrot, auf der Oberseite schwarz und hat oben links einen roten Knopf. Wenn ich da drauf drücke, gehen hier im Haus alle Alarmanlagen an. Wahrscheinlich macht das eine Menge Lärm. Ausprobiert habe ich das noch nicht; mir hat nämlich noch niemand verraten, wie ich die Alarmanlage wieder ausschalte, wenn ich sie aus Versehen aktiviert habe. Deshalb heißt der Panic-Button wohl auch „Panic-Button“, weil man in Panik gerät, wenn man ihn aus Versehen gedrückt hat. Deshalb ist diese Fernbedienung auch als Erstes meinem Ausmistmanöver zum Opfer gefallen und derweil auf meinem Nachttisch gelandet. Ich denke, dort ist sie gut aufgehoben.

Grund zur Panik gab es bisher noch nicht. Zwar prasseln zwischendurch immer mal wieder heftige Gewitterschauer auf mein Dach. Sonst ist der Himmel aber meist strahlend blau und es ist sommerlich warm. Meine Kollegen klagen trotzdem regelmäßig darüber, dass es so kalt sei. Der Unterschied ist wohl, dass sie aus dem Sommer kommen, mein Körper dagegen nach wie vor auf die winterlichen Temperaturen in Deutschland eingestellt ist.

Wenn ich morgens aufstehe, schaue ich als erstes durch eine Gittertür in den kleinen Garten und dahinter auf die Skyline von Jo’burg. Gestern Morgen habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr in der Morgensonne im Garten gefrühstückt. Der Platz vor meinem Cottage ist ideal dafür.

Skyline JoburgNur wenige Schritte von hier liegt, wie mir inzwischen gesagt wurde, das Ausgeh-Viertel von Johannesburg: die 7th Street in Melville. Dort gibt es zahlreiche nette Kneipen und Restaurants. Unter anderem findet sich dort auch das „Berlin“, eine Cocktailbar, in der von Sonntag bis Dienstag alle Cocktails nur 20 Rand kosten, das ist rund 1,50 Euro. Melville scheint eher ein ruhiger Vorort zu sein. Zwar sind alle Grundstücke von meterhohen Mauern eingekreist. Unsicher ist es aber offenbar nicht, gerade weil hier um die Ecke immer viel los ist. Und im Notfall habe ich ja immer noch den „Panic-Button“.

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Dubai

Posted by Julian Kanth on Mrz 29 2008 | Reisen, Südafrika

Mitten in der Nacht in Dubai. Naheliegend wäre so eine Überschrift in Anlehnung an einen alten Kinofilm gewesen: Schlaflos in Dubai zum Beispiel. Zwei Gründe sprechen dagegen. Erstens ist diese Formulierung inzwischen schon etwas verbraucht. Zweitens – und das ist viel entscheidender – scheinen hier ziemlich viele Menschen gerade schlaflos zu sein.

Flughafen TerminalIch sitze mit dem Laptop auf der Erde, etwas abgelegen vom Trubel. Trubel? Auch um halb drei Uhr in der Nacht ist Dubai International Airport noch überaus lebendig. Das Wort Nachtflugverbot erntet hier wahrscheinlich maximal ein müdes Lächeln. Permanent werden Flüge angekündigt. Nach Bahrain, Dhaka, Paris oder Beijing. Am meisten gefreut habe ich mich persönlich über den Emirates Flug nach London Heathrow um 2.30 Uhr mit der Flugnummer 007, das aber nur am Rande. Es ist ein modernes Gebäude, im Grunde fast etwas gesichtslos, ein Luftdrehkreuz, wie es überall auf der Welt stehen könnte: endlose Laufbänder, die bereits genannten permanenten Flugankündigungen, Cafés und die unvermeidlichen Filialen von McDonalds, StarBucks und Dunkin’ Donuts. Aber ganz so ist es dann doch nicht.

Es ist warm, sehr warm, noch 25 Grad und das mitten in der Nacht. Und gleich bei den ersten Schritten im Terminal erschlagen einen die Eindrücke. Wegweiser sind doppelt beschriftet: einmal Zeitungen am Flughafen Dubaiin Englisch und einmal in Arabisch. Was in Paris die Galerie Lafayette ist, nennt sich hier Duty Free. Nein, ok, der Vergleich hat zugegebenermaßen fast etwas Blasphemisches. Trotzdem ist die Einkaufsfläche „Dubai Duty Free“ extrem beeindruckend, wahrscheinlich würde man von einer Mall sprechen. In der Halle riecht es nach teuren Parfüms, an Ständen gibt es Shishas, Digitalkamers, teure Weine und die Bild-Zeitung. Zwischen den Ständen wuseln hunderte Menschen herum. Dubai ist ein internationales Drehkreuz, das spürt man schnell. Männer mit Turban, junge Frauen mit Kopftuch und Trikots der iranischen Nationalmannschaft, Männer mit Bierbauch. Unter Bänken und an den Seiten der Halle haben sich Reisende schlafen gelegt. Und an den Wänden auf der Erde sitzen meist junge Leute (wie ich gerade) mit ihren Laptops. Denn das Wlan ist hier kostenlos.

Fast fünf Stunden habe ich Aufenthalt, irgendwo hier im Nirgendwo, das sich trotzdem zu einem geschäftigen und bombastisch expandierenden Ort entwickelt. Neben mir im Flugzeug saß ein junger Mann aus Deutschland, der sich hier mit Urlaubsappartements selbstständig machen will. Er sagt, die Chancen stünden gut. Die Wohnungen, die er vor ein paar Monaten gekauft habe, hätten schon jetzt, obwohl sie noch nicht fertig gestellt seien, ihren Wert erheblich gesteigert. Überall wird gebaut. Beim Landeanflug habe ich auch spät am Abend auf Baustellen noch Arbeiter und Fahrzeuge in Aktion gesehen. Auch der Flughafen wird gerade erweitert. Emirates bekommt ein eigenes Terminal.

Starbucks in DubaiDubai könnte spannend sein, vielleicht auch mal ein eigenes Reiseziel, irgendwann. Bis dahin muss ich mich gedanklich damit abfinden, dass ich schweren Herzens einen Teil meines Reisegepäcks in Düsseldorf lassen musste. Ich hatte mich ja schon darauf eingestellt, dass ich etwas Übergepäck werde zahlen müssen. Von daher hatte ich zunächst noch ganz lässig darauf reagiert, als die Frau am Checkin skeptisch fragte: Wollen sie das alles mitnehmen? Das wird teuer, sehr teuer. Ich hätte gerne mein Gesicht gesehen, als sie am Ende etwas von 943 Euro sagte. Unter anderem musste ich mich von einem eigentlich als Reiselektüre eingeplanten Buch trennen: Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“ (1.400 Seiten). Ich werde mich schon irgendwie anders beschäftigen.

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Abflug

Posted by Julian Kanth on Mrz 28 2008 | Allgemein, Südafrika

Den ersten Schritt habe ich gemacht. Von Halle habe ich mich für die nächsten Monate verabschiedet. Jetzt sitze ich auf– sprichwörtlich – gepackten Koffern und denke darüber nach, Gepackte Kofferwas ich alles vergessen haben könnte. Vorhin habe ich kurzzeitig panisch den Internationalen Führerschein gesucht, den ich, nachdem ich den gepackten Koffer durchwühlt hatte, schließlich in der Seitentasche des Rucksacks gefunden habe.

14 Wochen Südafrika liegen vor mir. Da lohnen sich die fast 20 Stunden Reise sogar. Bei einem Zwischenstopp werde ich mir mal ein wenig Dubai anschauen, zumindest vom Flughafen aus und mitten in der Nacht. Besonders gespannt bin ich auf den 5.400 Quadratmeter großen Duty Free Shop. Nachts soll da Rush-Hour sein.

Montag ist mein erster Arbeitstag. Dann werde ich hier berichten – von meinem Goldrausch in Jo’burg.

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